Entwicklungszyklus

Entwicklungszyklus

Adulte (ausgewachsene) Flöhe

Männliche und weibliche Flöhe leben parasitisch. Das erste Blutmahl erfolgt innerhalb von Sekunden nach Erreichen der Wirtsoberfläche. Flöhe sind äußerst gierige Vampire: Während der normalen Saugdauer (20 – 150 Minuten) wird die 10-20fache Menge des Flohmagenvolumens aufgenommen. Sie saugen mehrmals täglich, damit nehmen sie pro Tag das 15-fache ihres eigenen Körpergewichtes an Blut auf! Allerdings brauchen sie nur einen Bruchteil davon für die eigene Ernährung, den Rest scheiden sie nahezu unverdaut mit dem Kot aus. Bereits 10 Minuten nach dem Blutmahl erfolgt schon der erste Kotabsatz. Ein Floh produziert am Tag 0,77 mg Kot. Dieser Protein- und Eisen-reiche Kot dient der Nachkommenschaft, den Flohlarven, als Nahrungsmittel.

 

Saugender Floh

24-48 Stunden nach der ersten Blutmahlzeit beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Flöhe sind äußerst fruchtbar. Während ihres Lebens, das bis zu 100 Tage dauern kann (Anmerkung: viele Flöhe erreichen dieses Alter allerdings nicht, da sie von der Katze zum Beispiel bei der tagtäglichen intensiven Fellpflege „verputzt“ werden), erzielen sie eine Durchschnittsproduktionsmenge von 27 Eiern pro Tag und damit eine Gesamtproduktion von etwa 1000 - 2000 Eier pro Floh!

Floheier

Floheier sind oval, 0,3-0,5mm lang, anfangs transparent, später weiß und sind mit bloßem Auge sichtbar. Sie sehen aus wie kleine Salzkörnchen. Da sie eine glatte Oberfläche haben, rieseln sie sehr schnell (60% bereits innerhalb von 2 Stunden) aus dem Fell in die Umgebung. Die meisten Eier findet man im Bereich der Schlaf- und Fressplätze.

Floheier u. Flohkot

Das Leben eines Flohes besteht aus ständiger Blutaufnahme und ständiger Eiproduktion. Um zu überleben, muss der Floh auf der Wirtsoberfläche bleiben.

Verlust des Wirtes und damit Verlust der Blutquelle bedeutet für den Parasiten den Tod innerhalb von 4 Tagen. (Dies gilt für Katzen-, Hunde- und Igelflöhe, die man daher auch als Fellflöhe bezeichnet. Menschenflöhe, Vogel-, Ratten-, Kaninchen- und Mäuseflöhe halten sich in der nahen Umgebung ihrer Wirte, zum Beispiel in den Nestern, auf. Sie werden daher als Nestflöhe bezeichnet.)

Der Schlupf der Larven aus den Eiern, wie auch die gesamte weitere Entwicklung, ist abhängig von den Umgebungsbedingungen. Günstiges „Brutklima“ ist 25°C und eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 85%. Empfindlich sind alle Flohentwicklungsstadien gegenüber Frost, direkter Sonneneinstrahlung und extremer Trockenheit.

Flohlarven sind wurmähnlich schlank, 2-5mm lang, beborstet und beweglich. Sie ernähren sich, wie bereits erwähnt, vom Flohkot, betreiben aber auch Kannibalismus, d.h. sie fressen auch Floheier und geschädigte Flohlarven.

In einem Umkreis von etwa 40 cm suchen sie die dunkelsten, feuchtesten und tiefsten Stellen auf:
Man findet sie am Grunde des Teppichbodenflors, in Polstermöbeln, in Bodenritzen und außerhalb von Gebäuden im Gras, unter Ästen und Blättern oder eingewühlt in der Erde (bis 7,5mm tief). Durch ihre Borsten an der Körperoberfläche finden sie soviel Halt, dass selbst leistungsstarke Staubsauger nur einen Bruchteil dieser Larven aufsaugen!

Die Weiterentwicklung verläuft über 2 Häutungen, die daraus hervorgehende 3. Larve spinnt aus ihren Speichelsekreten einen Kokon – sie „verpuppt“ sich.

Flohpuppen

Die klebrige Oberfläche des Kokons erfüllt zwei Funktionen: einerseits haftet der Kokon fest an der Unterlage und ist gegen ein Wegrollen geschützt, andererseits wird er durch den anklebenden Umgebungsstaub nahezu unsichtbar. Die Entwicklungszeit der Flöhe in den Puppen beträgt, abhängig von der Umgebungstemperatur, zirka 9-19 Tage.
Die schlupfbereiten erwachsenen Flöhe verharren jedoch noch bis zum Auftreten von spezifischen Schlupfreizen (Licht, Temperatur, Erschütterungen) in ihrer Puppenhülle – im Extremfall bis zu 140 Tage.
Dieses Entwicklungsstadium ist eine Art Überlebensstadium der Flöhe. Der Kokon ist nicht nur eine gute Tarnung, sondern bietet auch Schutz vor Umwelteinflüssen, insbesondere vor Austrocknung und vor allem auch gegen Insektizide: In Wohnräumen, die mit Insektiziden behandelt worden sind, können erwachsene Flöhe noch nach mehreren Wochen auftreten und die Tiere erneut befallen.

Das ist auch der Grund für das Phänomen, dass Tiere nach einem Aufenthalt in einer Tierpension zur Urlaubszeit, vermeintlich mit Flöhen befallen zurückkehren. Meist sind diese Flöhe jedoch Individuen, die in der eigenen Wohnung in den Puppen auf den Schlupf gewartet haben und nach der Rückkehr der Tiere (und auch Menschen) innerhalb von Minuten massenhaft ihre Puppenhüllen verlassen und die Tiere befallen.

Zwar ist der Gesichtssinn der Flöhe sehr schlecht, jedoch erkennen sie ihr Opfer über den Hell-Dunkel-Kontrast und orientieren sich gezielt in Richtung sich bewegender Schatten. Mit Hilfe ihrer mächtigen Sprungbeine steuern sie ihren zukünftigen unfreiwilligen Wirt an – weglaufen nützt da nichts. Verfehlen sie ihr Ziel ausnahmsweise, beträgt die Lebensdauer der nüchternen, geschlüpften Flöhe 20-62 Tage. Bei der Wirtswahl existieren offensichtlich auch individuelle Unterschiede, die sich in einem bis um das 10-fache unterschiedlichen Befallsgrad gemeinsam gehaltener Tiere ausdrücken. Besonders „geschmackvoll“ scheinen dabei Jungtiere zu sein.

AWB-2142148100