Entwicklungszyklen

Entwicklungszyklen

Die wichtigsten Rundwürmer von Hund und Katze haben einen direkten Entwicklungszyklus, d.h., dass sie keinen Zwischenwirt benötigen. Die Anzahl der abgegebenen Eier kann sehr groß sein. Ein weiblicher Spulwurm kann pro Tag bis zu 200 000 Eier produzieren!

Mit dem Fleischfresserkot gelangen die Eier in die Umwelt. Dort schlüpfen die Larven, die nach mehrmaliger Häutung infektionsfähig werden. Bei einigen Arten entwickeln sich die Larven im Ei, so dass die Tiere sich mit der Aufnahme von Eiern aus der Umwelt (zum Beispiel durch Herumschnuppern) infizieren können. Nach der Infektion des Wirtes wird nach weiteren Häutungen das Adultstadium im Tier erreicht. Der Wurm ist ausgewachsen, geschlechtsreif, verpaart sich und beginnt erneut mit der Produktion von Eiern.

Larven wandern während ihrer Reifung häufig durch unterschiedliche Körpergewebe und Organe des Wirtes und schädigen diese dabei.

  • Hypobiose

Ein besonderes Phänomen bei Spul- und Hakenwürmern ist die Hypobiose – ein Ruhezustand des letzten Larvenstadiums meistens in der Muskulatur der Endwirte.

Diese Ruhelarven spielen eine große Rolle bei der Übertragung von Wurminfektionen vom Muttertier auf die Welpen. Infolge hormoneller Umstellung während der Trächtigkeit kommt es zur Reaktivierung dieser ruhenden Gewebelarven.

Spulwurmlarven wandern um den 40. Trächtigkeitstag bei der Hündin über die Plazenta in die Feten (intrauterine Infektion), wo sie vor allem in der Leber, aber auch im Gehirn, den Nieren, in der Muskulatur und in der Lunge zu finden sind.

Erst nach der Geburt gelangen diese Larven zunächst über den Blutweg und das Herz in den Blutkreislauf der Lunge. Hier wandern sie vom Blut über die Bronchien in die Luftröhre. Sie werden hochgehustet, abgeschluckt und erreichen dann ihr Ziel: den Dünndarm.
Bereits in einem Alter von 3 Wochen scheiden Hundewelpen mit ihrem Kot Spulwurmeier aus!
Spul- und Hakenwurmlarven wandern außerdem in die Milchdrüse und werden über die Muttermilch auf die saugenden Welpen übertragen (galaktogene Infektion).

Bei Katzen wurde bisher nur eine Übertragung von Spulwurmlarven mit der Muttermilch nachgewiesen.

Da immer nur ein Teil der Ruhelarven mobilisiert wird, können selbst ohne erneute Infektion mehrere Würfe durch ein Muttertier infiziert werden.

Spulwürmer

  • 1. In ca. 2 Wochen entwickelt sich die infektiöse Larve im Ei
  • 2. Der Mensch infiziert sich durch versehentliches Verschlucken von infektiösen Eiern
  • 3. Infektiöse Eier gelangen beim Herumschnuppern an die Nase und werden abgeleckt.
  • 4. Nach dem Schlüpfen durchdringt ein Teil der Larven die Darmwand, gelangt auf dem Blutweg in die Muskulatur und verkapselt sich zu Ruhestadien (Hypobiose)
  • 5. Im letzten Drittel der Trächtigkeit werden die Ruhelarven aktiviert und gelangen via Blut über die Plazenta in die Welpen. Es kommt zur intrauterinen Infektion der Welpen.
  • 6. Aktivierte Ruhelarven wandern auch in das Gesäuge und werden mit der Muttermilch an die Welpen abgegeben (galaktogene Infektion)
  • 7. Ein Teil der Larven entwickelt sich im Dünndarm zu adulten Würmern.
  • 8. Mit dem Kot werden die Eier ausgeschieden.
  • 9. Nach der Geburt erreichen die Larven über das Blut den Lungenkreislauf. Sie dringen in die Bronchien ein und wandern zur Luftröhre.
  • 10. Sie werden hochgehustet und abgeschluckt. Im Dünndarm entwickelt sich der adulte Wurm
  • 11. Bereits 3 Wochen nach der Geburt scheiden Hundewelpen Spulwurmeier aus.
  • 12. In ca. 2 Wochen entwickelt sich die infektiöse Larve im Ei (siehe 1.).
  • 13. siehe3.
  • 14. Bei Welpen durchbohren die geschlüpften Larven die Darmwand und gelangen über den Blutkreislauf in die Lunge.

Toxascaris entwickelt sich ohne Körperwanderung der Larven direkt im Darm.

Hakenwürmer

  • 1. Die meisten Larven entwickeln sich nach oraler Aufnahme direkt in der Magenwand und gelangen von dort in den Darm. Einige wenige Larven können auch über die Trachealwanderung in den Darm einwandern.
  • 2. Hakenwürmer heften sich an der Darmschleimhaut fest und saugen Blut.
  • 3. Eier gelangen mit den Fäzes ins Freie.
  • 4. Das erste Larvenstadium (L1) entwickelt sich im Ei.
  • 5. Das dritte Larvenstadium ist infektiös.
  • 6. Ein direkter Entwicklungszyklus des Wurms in der Magen-/Darmwand des Wirtes findet statt, wenn ein Stapelwirt gefressen wird, der die L3 enthält.
  • 7. Der Mensch infiziert sich durch direkten Hautkontakt mit kontaminiertem Erdboden.
  • 8. Eine perkutane Infektion entsteht durch aktives Eindringen der Larven durch die intakte gesunde Haut.
  • 9. Einige Larven gelangen mit der L3 mit dem Blutstrom in Muskeln und Fettgewebe, in denen sie in einem inaktiven Zustand verbleiben. Die mögliche Reaktivierung dieser Dauerlarven ist nur ungenügend dokumentiert. Eine laktogene Übertragung ist bisher bei Katzen nicht nachgewiesen worden.
  • 10. Die Larven gelangen mit dem Blutstrom in die Lungen und von dort über die Trachea in den Dünndarm. Hier entwickeln sie sich zum adulten Wurm.
  • 11. Hakenwürmer heften sich an der Darmschleimhaut fest und saugen Blut.

Peitschenwurm

Im Vergleich zu Spul- und Hakenwürmern eher einfallslos: der Peitschenwurm des Hundes (Trichuris vulpis)

Die Entwicklung der infektiösen Larve im Ei in der Außenwelt ist stark temperaturabhängig und kann 8 Tage bis mehrere Monate (!) dauern.

Nach dem Abschlucken der infektiösen Eier entwickeln sich die Larven im Darm des Hundes weiter bis zum Adultstadium und besiedeln den Dickdarm. Im Gegensatz zu Spul- und Hakenwürmern findet bei Peitschenwürmern keine Körperwanderung der Larvenstadien statt. Eine Besonderheit sind die sehr widerstandsfähigen und langlebigen Eier, die nur gegen Austrocknung sehr empfindlich sind. Unter günstigen Bedingungen können sie jahrelang überleben!

Peitschenwürmer treten eher bei erwachsenen Hunden als bei Junghunden auf. Auch bei Füchsen kommen sie häufig vor.

AWB-2142148100