Das kleine Wurmlabor

Das kleine Wurmlabor

Die in der Praxis übliche Labormethode zur Diagnosestellung eines Wurmbefalls ist die Kotuntersuchung. Sie kann allerdings nur als Unterstützung zur Diagnosefindung dienen. Dabei wird wie folgt unterschieden:

  1. Nativpräparat (hochgradiger Parasitenbefall)
  2. Flotationsverfahren(Rund- und Bandwürmer)
  3. Auswanderverfahren (Lungenwurmlarven)
  4. Sedimentationsverfahren (Saugwürmer, spielt vorwiegend in der

Großtierpraxis eine Rolle zum Beispiel zur Diagnose eines Leberegelbefalls)

1. Beim Nativpräparat wird eine kleine Menge Kot mit etwas Wasser suspendiert, auf einem Objektträger ausgestrichen und direkt unter dem Mikroskop bei Lupenvergrößerung untersucht. Nur ein positiver Befund ist aussagekräftig und deutet auf eine hochgradige Verwurmung hin. 2.) Das Flotationsverfahren wird in 4 Schritten durchgeführt: 1. Kotprobe in einer Flotationslösung verrühren. 2. Durch ein Haarsieb in ein Zentrifugenglas (15ml) gießen. 3. Zentrifugieren für 3 – 5 Minuten bei etwa 1000 – 1500 U/min. 4. Mit einer Drahtöse direkt einige Tropfen von der Oberfläche der zentrifugierten Lösung abnehmen auf einen Objektträger bringen und unter dem Mikroskop untersuchen.

Oder

Zentrifugenglas nach der Zentrifugation mit Flotationslösung soweit auffüllen, dass ein Meniskus entsteht. Darauf setzt man vorsichtig ein Deckglas und belässt dieses für einige Minuten. In dieser Zeit flotieren vorhandene Wurmeier an die Unterfläche des Deckglases. Das Deckglas wird abgenommen, auf einen Objektträger gelegt und das Präparat unter dem Mikroskop durchgemustert.

Beispiele für Flotationslösungen:
(Als Flotationslösungen werden spezifische, gesättigte Salzlösungen verwendet, deren spezifisches Gewicht durch den Salzgehalt höher ist als das der Wurmeier. Folge:Wurmeier flotieren an die Oberfläche der Flüssigkeit)

  • Gesättigte Kochsalzlösung: 340g Kochsalz (NaCl) pro 1000ml Wasser
  • Zinkchlorid – Kochsalzlösung: 275g Zinkchlorid (ZnCl2) + 262g Kochsalz (NaCl) pro 1000 Wasser

Auch kommerzielle Schnelltests (z.B. Ovassay, Fecalyzer) zur Durchführung einer Flotationsuntersuchung sind auf dem Markt. Sie sind sehr einfach zu handhaben, sauber in der Durchführung und bestechen durch ihre Anwenderfreundlichkeit.

Generell muss aber mit einer geringeren Nachweissicherheit im Vergleich zu klassischen Flotationsverfahren gerechnet werden.

3. Lungenwurmlarven können auch mittels des Flotationsverfahrens nachgewiesen werden, allerdings wird ihre Struktur durch die Salzlösungen meist geschädigt, weshalb dem so genannten Larvenauswanderungverfahrens nach Baermann den Vorzug gegeben wird. Hier ist es wichtig, frischen Kot zu untersuchen, da ansonsten auch andere Rundwurmlarven vorgefunden werden können. Außerdem müssen die Larven für das Untersuchungsverfahren lebend und mobil sein. Dies ist in altem, eventuell eingetrocknetem Kot nicht sicher gegeben. Die Kotprobe sollte nicht mit Erdboden kontaminiert sein, da hierdurch freilebende, nicht parasitäre Erdnematoden in die Probe gelangen, die dann von Lungenwurmlarven abgegrenzt werden müssen.

Als Baermann –Apparat dient ein Glas – oder Haushaltstrichter, der an einem Stativ befestigt ist. Am Trichterausgang wird ein ca. 10cm langer Gummischlauch aufgesteckt und zunächst mit einer Klemme verschlossen.

Die frische Kotprobe (ca. 20g) wird in ein mit Gaze ausgelegtes feinmaschiges (Tee-) Sieb verbracht und in den Trichter gehängt. Das ganze System wird nun mit lauwarmem Wasser aufgefüllt, so dass die Kotprobe vollständig bedeckt ist.

In der folgenden Ruhephase von 12- 24 Stunden wandern die Larven aus dem Kot in die Flüssigkeit und sammeln sich – da sie schwerer sind als Wasser – oberhalb der Klemme an.
Nach dem Lösen der Klemme werden direkt die ersten Flüssigkeitstropfen aufgefangen und ohne Deckglas bei schwacher Vergrößerung mikroskopisch untersucht.

Die beweglichen Larven sind sehr gut sichtbar.

Tipp: Diese Untersuchungsmethode kann man im Herbst gut mit frischem Igelkot üben. Hier findet man sehr häufig Lungenwurmlarven!

Beurteilung von Kotuntersuchungen

Nur ein positiver Befund ist beweisend für das Vorliegen einer Wurminfektion. Ein negativer Befund schließt eine Wurminfektion nicht aus!

Denn:
- während der Präpatenzzeit (= Zeit zwischen der Infektion des Tieres und dem ersten Auftreten von Wurmeiern im Kot) ist das Tier bereits infiziert, scheidet aber noch keine Eier aus.

- einige Parasiten scheiden nur unregelmäßig Eier aus (daher wenn möglich Sammelkotprobe von 3 Tagen untersuchen)

- Bandwurmproglottiden sind nur als Ganzes optisch direkt im Kot nachweisbar. Bandwurmproglottiden werden nicht täglich ausgeschieden und werden auch außerhalb des Kotabsatzes ausgeschieden.

Sensitivere Methoden wie der Nachweis von Antikörpern oder PCR – Untersuchungen werden von den Untersuchungslabors angeboten.

 

Weitere Untersuchungsmethoden auf Endoparasiten

Mikrofilarie

Mikrofilarie

  • Nachweis von Filarien

Herzwurminfektionen sind zwar bisher in Deutschland nicht endemisch (einheimisch) und Hautfadenwürmer nur bisher sporadisch, aber die große Zahl an Importhunden und Reise begleitenden Hunden machen Untersuchungen darauf immer häufiger erforderlich.

- Antigen – Nachweis im Blut (nur Dirofilaria immitis)

Herzwürmer können sehr einfach und spezifisch mit einem kommerziellen Testkit (Snap 3Dx ELISA - Praxisschnelltest) nachgewiesen werden. Der Test reagiert auf ein Antigen im Blut, das im Geschlechtssystem eines weiblichen Herzwurmes produziert wird.

Der Nachweis gelingt frühestens 5 Monate nach einer Infektion.
Infektionen mit weniger als 3 Würmern oder Befall ausschließlich mit männlichen Würmern (kommt häufiger bei Katzen vor) bleiben mit diesem Test unentdeckt.

- Nachweis von Mikrofilarien im Blut (unspezifisch, alle Filarien)

Mikrofilarien können frühestens 6 Monate nach einer Infektion nachgewiesen werden.
Die Konzentration von Mikrofilarien im Blut unterliegt einem tageszeitlichen Rhythmus. Sie ist besonders hoch am späten Nachmittag und Abend (entspricht der Flugzeit von Stechmücken: biologische Anpassung von Vektor und Parasit!).

Daher sollte auch die Blutprobe wenn möglich abends genommen werden.

- Direktnachweis

EDTA – Blut mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnen und direkt unter dem Mikroskop untersuchen. (Gelingt nur bei hochgradigem Befall und damit hoher Filariendichte im Blut)

- Anreicherung mit modifiziertem Knott Test

1ml EDTA - Blut wird mit 5ml 2%iger Formalinlösung vorsichtig vermischt. Dadurch werden die Erythrozyten zerstört und die Mikrofilarien fixiert.

Nach 3 Minuten Ruhezeit 5 Minuten bei 1300 U /min zentrifugieren und den Überstand abkippen.
Dem verbliebenen Sediment 1 Tropfen Methylen – Blau 0,1% zufügen. Dadurch werden die Mikrofilarien angefärbt.

Nach einer Wartezeit von 3 Minuten verbringt man einen Tropfen auf einen Objekträger, deckt das Präparat mit einem Deckglas ab und untersucht bei 4 – 10facher Vergrößerung.

Mit diesen Methoden können Filarienarten nicht unterschieden werden. Eine anschließende Differenzierung in einem Untersuchungslabor zum Beispiel mit einer PCR – Untersuchung ist erforderlich.

 

AWB-2142148100