Bandwürmer

Bandwürmer (Zestoden)

Zestoden oder Bandwürmer verdanken ihren Namen der flachen, bandartigen Körperform. Die Würmer parasitieren im Dünndarm der Endwirte. Je nach Art können sie eine Länge von mehreren Metern erreichen (der Rinderfinnenbandwurm des Menschen zum Beispiel bis zu 10m!), und sie können mehrere Jahre alt werden.

Ihr Aufbau unterteilt sich in 1.) Kopfteil (Skolex), 2.) Halsteil und 3.) Gliederkette (Strobila).

Skolex mit Hakenkranz und Saugnäpfen (Taenia spp.)

Skolex mit Hakenkranz und Saugnäpfen (Taenia spp.)

1.) Der Skolex dient dem Wurm zur Verankerung in der Darmschleimhaut. Mit – je nach Bandwurmspezies – typischen Hakenkränzen oder Saugnäpfen haftet er sich an und verhindert so eine frühzeitige Elimination durch die Darmperistaltik oder den passierenden Nahrungsbrei.

Proglottiden Taenia spp.

Proglottiden Taenia spp.

2.) Im unsegmentierten Halsbereich werden ständig neue Glieder (Proglottiden) produziert. Hier ist die Wachstumsstelle des Bandwurms.

Strobila

Strobila

3.) In ihrer Gesamtheit bilden die Proglottiden die Gliederkette oder Strobila.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt bei Bandwürmern über die Körperoberfläche (Integument).

Achtung!: Genau an dieser Stelle wirken die meisten Bandwurmpräparate (Praziquantel). Sie schädigen das Integument und verhindern damit eine weitere Ernährung. Der Bandwurm „verhungert“ einerseits. Gleichzeitig wird durch die Schädigung die Bandwurmoberfläche angreifbar für die Verdauungssäfte. Der Bandwurm wird andererseits „verdaut“.

Lebenszyklus von Bandwürmern

Zwitter

Zwitter

Nahezu alle Bandwurmarten sind Zwitter. Das bedeutet, jede Proglottide enthält ein vollständig ausgebildetes männliches und weibliches Geschlechtssystem.

Eier

Eier

Am Ende der Strobila befinden sich die „reifen“ Bandwurmglieder. „Reif“ bedeutet, sie enthalten Eier und zwar je nach Art 15. 000 bis 100. 000.

Diese reifen Glieder werden vom Bandwurm abgestoßen und sind zunächst beweglich. Sie können daher auch außerhalb des Kotabsatzes aus dem After wandern (Juckreiz!, „Schlittenfahren“!) Sie bleiben entweder zunächst im Fell der Tiere hängen oder fallen in die Umgebung.

Nach einiger Zeit trocknet die schützende Hülle ein und zerfällt. Somit werden die Eier freigesetzt. Für die weitere Entwicklung ist jetzt die Aufnahme der Eier durch einen so genannten Zwischenwirt (Maus, Floh) erforderlich. Hier entsteht das „Finnenstadium“.

Diese „Finne“, die bereits die Anlage des Bandwurmkopfes (Skolex) enthält, wird mit dem Zwischenwirt vom Endwirt (Hund, Katze) aufgenommen. In dessen Darmtrakt wird der Bandwurmkopf ausgestülpt. Er haftet sich an der Darmschleimhaut fest, und der Wurm reift zum erwachsenen Bandwurm heran. Diese Reifungszeit, auch als Präpatenzzeit bezeichnet, beträgt im Durchschnitt bei den relevanten Bandwurmarten für Hunde und Katzen in Europa 4 Wochen.

Definition Präpatenzzeit: Dies ist die Zeitdauer von der Aufnahme der infektiösen Parasiten-Stadien bis zur Entwicklung des adulten geschlechtsreifen Wurmes und des Auftretens von ersten Geschlechtsprodukten (Eier, Larven, u.a.) im Stuhl, Urin oder Blut. Die Präpatenz kann mit der Inkubationszeit (Auftreten von Krankheitssymptomen) zusammenfallen, es können jedoch auch asymptomatisch Geschlechtsprodukte ausgeschieden werden. Auf die Präpatenz folgt die Patenz (Zeitdauer von Beginn bis Ende der Ausscheidung).

Hier noch mal der Entwicklungszyklus im Schaubild und kurzer Zusammenfassung am Beispiel von Dipylidium caninum:

  1. Die Endwirte sind Karnivoren (Fleischfresser).
  2. Sie beherbergen die ca. 45 cm langen Bandwürmer im Dünndarm.Sie scheiden gurken- oder kürbiskernähnliche (daher der Name!) Proglottiden aus.
  3. Die getrockneten Bandwurmglieder enthalten Pakete mit jeweils bis zu 40 Eiern.
  4. Diese werden von Flohlarven aufgenommen, in denen sich das Finnenstadium entwickelt.
  5. Hunde und Katzen infizieren sich durch das Herunterschlucken von infizierten Flöhen.

Wichtige Zestoden in Europa:
Hund:

  • Taenia Arten
  • Mesocestoides Arten
  • Dipylidium caninum
  • Echinococcus granulosus
  • Echinococcus multilocularis

Katze:

  • Taenia taeniaeformis
  • Mesocestoides Arten
  • Dipylidium caninum
  • Echinococcus multilocularis

 

AWB-2142148100