Vorwort zum Modul 3

Inhaltsverzeichnis Reptilienpraxis: Tierarzthelfer helfen dem Tierarzt – Reptilien Ansprüche in der Reptilienpraxis erfüllen M3

  • Wer sind die Kunden und das Prozessmodell Reptilienpraxis entwickeln.
  • Reptiliengesundheit und Krankheit verstehen.
  • Reptilienkunden annehmen.
  • Reptilien transportieren.
  • Reptilien handhaben und sich schützen.
  • Mittel für Reptilien vorbereiten und beim Kalkulieren assistieren.
  • Reptilien stationieren und pflegen.
  • Reptilien Iinfektionen durch Hygiene vermeiden.
  • Reptilien Behandlung dokumentieren und bei der Kundenberatung assistieren.
  • Reptilien Kunden gewinnen und behalten.
  • Reptilien Wissen und Informationen beschaffen.
  • Wichtige Links

Vorwort zum Tutorial Modul 3 (M3) Reptilien in der Tierarztpraxis.

  • Tierarzthelfer helfen dem Tierarzt. Bei was? Sie helfen dem Tierarzt die Ansprüche seiner Kunden mit ihren Tieren zu erfüllen. Werden diese Ansprüche erfüllt und zwar zu 100% (sonst ist der Kunde unzufrieden) spricht man von Qualität. Das ist der direkte Kunde, der uns das Geld in die Praxis bringt und auch ihre Gehälter finanziert. Daneben gibt es weitere „Kunden“, Menschen um und in der Praxis, deren Ansprüche wir befriedigen müssen, damit die Tierarztpraxis zu unser aller Zufriedenheit läuft.
  • Wichtig: Wenn eine Aufgabe gestellt wird, finden Sie in der Regel auf der jeweils folgenden Seite meine Lösung zur Aufgabe. Das ist meine Lösung und muss nicht Ihre sein. Deswegen muss Ihre Lösung nicht falsch sein. Besprechen und diskutieren Sie Ihre Lösungen mit Ihrem Tierarzt, Arbeits- oder Schulkollegen. Sie machen es sich zu einfach, wenn Sie mich einfach kopieren und schummeln. Das was Sie selber tun behalten Sie meiner Erfahrung nach zu 90%. Bringen Sie sich nicht selbst um Ihren persönlichen Erfolg. Tauchen Sie ein, in die faszinierende Welt der Reptilien, der Terrarien und der Reptilien Medizin. Viel Spaß beim Durcharbeiten dieses Tutorials, wünscht Ihnen Dr. Henry Brames.
  • Aufgabe: Stellen Sie eine Liste zusammen mit Ihren „Kunden“ rund um die Tierarztpraxis und beschreiben Sie ihre Ansprüche und was sie tun müssen, um diese Ansprüche zu erfüllen.

Meine Kunden in der Reptilienpraxis

  • Die Reptilienbesitzer und ihre Reptilien
  • Mein Chef
  • Meine Kollegen
  • Die Mitarbeiter der Praxisreinigung
  • Die Lieferanten
  • Die Fahrer der Transportfirmen
  • Der Computerspezialist
  • Meine Lehrer
  • usw.

Hilfreiche Methoden zur Vermehrung der Einsichten.

  • Methode 2: Prozessmodell, die Landkarte unserer Tätigkeiten in der Reptilienpraxis
  • Zweck: Möglichst schnell alle Tätigkeiten die für das Gelingen eines Unterfangens, einer Tierarztpraxis, einer Reptilienpraxis, eines Ausfluges, eines Terrariums zu sammeln und zu ordnen, damit wir nichts vergessen, damit wir ein Bild vor Augen haben und mit diesem Bild weiter arbeiten können.
  • Was brauchen wir: ein Blatt Druckerpapier oder grösser und einen Stift (wenn Sie wollen auch Buntstifte) . Eventuell einen Fotoapparat oder Handykamera, um unser Ergebnis zu dokumentieren.Wie gehen wir vor: Wir schreiben oben eine Überschrift, was wir beschreiben wollen und eventuell was wir besonders machen wollen: Beispiel: Unsere Tierarztpraxis XY hilft Reptilien. Unsere Tierarztpraxis versorgt Reptilien in der Praxis. Links etwas darunter malen wir ein „Heuli“, Sad Smiley Symbol, für einen besorgten, nachdenklichen, traurigen Kunden, dem wir helfen wollen. Rechts malen wir schon mal vorsorglich ein Smiley, Symbol für einen Kunden der zufrieden und glücklich ist, weil wir ihm geholfen haben. Dazwischen sammeln wir jetzt die Haupttätigkeiten in Schritten von Anfang bis Ende, wie wir ihm helfen wollen. Wir formulieren die Tätigkeitsschritte mit Tun Wörtern (Verben), denn durch unser Tun machen wir den Kunden und sein Reptil glücklich. Das nennen wir Hauptprozesse oder Haupttätigkeiten.
  • Wie gehen wir weiter vor: Schräg von unten sammeln wir die Unterstützungstätigkeiten und als Basis formulieren wir die Chefaufgaben.
  • Ergebnis: eine Sammlung unserer Tätigkeiten und Tätigkeitsbereiche die in der Praxis notwendig sind, wohl geordnet, eine für alle sichtbare Landkarte, damit wir nichts vergessen, damit die Praxis gelingt und alle zufrieden bedient werden. Die einzelnen Tätigkeitsbereiche können dann nach anderen Kriterien wie Hygiene, Sicherheit, Dokumente, Zuständigkeiten usw. analysiert und präzisiert werden.

Beispiel für eine Landkarte (Prozessmodell) einer Reptilienpraxis (kann in jeder Praxis etwas anders aussehen).

Reptilien Gesundheit und Krankheit verstehen.

  • Reptilien erkranken an den gleichen Krankheitsgruppen wie Katze, Hund und Meerschweinchen.
  • Reptilien Krankheiten kommen langsam und vergehen langsam.
  • Reptilien Krankheiten sind oft schwer frühzeitig zu erkennen.
  • Reptilien Symptome werden vom Halter oft falsch interpretiert.
  • Reptilien werden manchmal von Laien „vorbehandelt“.
  • Manche Symptome werden überbewertet oder falsch bewertet, andere werden übersehen.
  • Reptilien leiden stumm, aber sie leiden.
  • Reptilienpatienten sind eher jung als alt, die Ausnahme sind oft Schildkröten.
  • Krankheitsschwerpunkte sind Entwicklungsstörungen, Knochenkrankheiten und Immunschwäche, sowie Legenot, durch das Terrariensyndrom:: UVB Mangel, Kalziummangel, ungeeignete Ernährung und falsche Bestrahlung, Wassermangel, Stress (Mitbewohner, mangelnde Verstecke, fehlende Ei Ablegemöglichkeiten); also Haltungsfehler.
  • Krankheitsschwerpunkte sind Verletzungen und Verbrennungen durch Entkommen, Mitbewohner , andere Haustiere, ungeeignete Dekoration und ungesicherte Technik und gefährliche Bestrahlung; also wieder Haltungsfehler.
  • Krankheitsschwerpunkte sind Infektionen mit Viren und Bakterien durch mangelhaften Import und Transport, falsches Klimatisieren, schlechte Hygiene, fehlende Quarantäne und Immunschwäche (Terrariensyndrom) und krankmachende Keimflora; also Haltungsfehler.
  • Krankheitsschwerpunkte sind Parasiten und Einzeller (Zecken, Milben, Würmer, Kokzidien, Kryptosporidien, Amöben und Flagellaten) durch Immunschwäche (Terrariensyndrom) infolge von Fütterungsfehlern, Überbelegung, mangelnder Reinigung und Inzucht; also Haltungsfehler.

Terrariensyndrom, Verletzungen und Infektionen.

Von links nach rechts, von oben nach unten: Terrariensyndrom bei einer Testudo marginata; Verbrennung bei Python regius; Virusinfektion bei Python regius und Testudo horsfieldii; Oxyureneier und Oxyuren bei Testudo.


Reptilienkunden annehmen.

  • 90% der Reptilienkrankeiten sind Haltungsfehler und werden vom Besitzer nicht erkannt.
  • Jede Reptilienanfrage, scheinbar noch so unbedeutend immer in die Praxis bestellen.
  • Zeitlichen Termin vereinbaren, Namen und Telefonnummer notieren (bei Terminverschiebung wichtig), eventuell Hausbesuch vereinbaren.
  • Immer nach deutschem und lateinischem Artnamen und
  • Zuchtvariante, Größe und Alter fragen und gegebenenfalls Gefährlichkeit erkunden und notieren (dann kann man sich nochmal informieren und vorbereiten!).
  • Nach den Symptomen und der Dauer fragen und notieren. Keine Telefondiagnosen stellen.
  • Seit wann sind die Tiere in der Haltung? Wo gekauft oder getauscht?
  • Werden mehrere Tiere gehalten immer die ganze Gruppe in die Praxis bestellen.
  • Den Halter nach der Erfahrung befragen: Mehrere Tierarten? Wie lange Terrarianer? Mitglied in der DGHT? Sachkundenachweis? Privat oder gewerblich?
  • Immer Fotos von der Anlage, dem Terrarium machen lassen (Handy, Digitalkamera)
  • Immer die Lampen mitbringen lassen! Vorschaltgerät mitbringen lassen oder in der Praxis vorrätig halten!
  • Kotprobe und Substratprobe , Futter und Vitamine mitbringen lassen.
  • Vorbehandlungsdokumente, Vorbehandlungsmittel, Artenschutzdokumente mitbringen lassen.
  • Zahlungsmodalitäten kommunizieren.
  • Angemessene Transportverpackung und gegebenenfalls Gefahrvermeidung besprechen.
  • Per Email oder Fax Merkzettel zusenden, damit nichts vergessen wird.

Reptilienkunden annehmen – Reptilien Anmeldeformular

Damit wir nichts vergessen:

  • Aufgabe: Notieren sie alle Aspekte des „Reptilienkunden annehmen“ auf ein Blatt Papier mit der Mindmap Methode und entwickeln Sie dann aus den gesammelten Ideen ein Reptilien Anmeldeformular mit Word, Excel, Powerpoint oder einem anderen geeigneten Programm. Sie können das Formular auch mit Schönschrift und Lineal auf einem Blatt Papier entwickeln und später einfach kopieren. Dazu nehmen Sie wegen dem Kontrast schwarze nicht blaue Schreibmittel.

Reptilien handhaben - Sich selbst, die Kollegen, den Terrarianer und Reptilien schützen.

  • Reptilien sind Wildtiere mit individuellem Charakter und keine Schmusetiere.
  • Den Besitzer nach dem Temperament fragen und ihn gegebenenfalls das Tier selber auspacken lassen.
  • Keine Versteckmöglichkeiten in der Praxiseinrichtung zulassen.
  • Bartagamen, Königspythons und Kornnattern sind eher beißfaul. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  • Wasserschildkröten beißen heftig. Hände weg vom Kopf.
  • Landschildkröten beißen nicht, große Tiere über 10 kg können einen Arm aber schmerzhaft einklemmen.
  • Große Leguane und Warane beißen, kratzen und schlagen gefährlich mit dem Schwanz.
  • Festgebissene Tiere mit hochprozentigem Alkohol zum loslassen bewegen.
  • Geckos und kleine Eidechsen verlieren schon bei leichtem Manipulieren den Schwanz. Das sieht vor dem Besitzer unschön aus, ist aber nicht lebensbedrohlich und durch Vorsicht vermeidbar.
  • Kleine Geckos haben eine sehr empfindliche leicht verletzbare Haut.
  • So viele Untersuchungen wie möglich im Transportbehälter durchführen.
  • Schweißer Handschuhe können ein wichtiges Schutzmittel sein (nicht bei Giftschlangen!), vermindern aber das Gefühl.
  • Distanzhilfsmittel (Greifer, Schlangenhaken, Pins) und Untersuchungsröhren vorbereiten.
  • Fixierungsmittel wie Klebeband, Seile, Untersuchungsboxen vorbereiten und genügend geschulte Kollegen zur Verfügung halten. Giftschlangen langt man nicht an!
  • Bei Giftschlangen Notfallplan entwickeln und Serumdepot Mitglied werden. Schulung z.B. am Sachkundezentrum MUC absolvieren.

Die Menschen schützen und Gefahren vermeiden.

Gefährliche Reptilien und Giftreptilien: Behandlungen sorgfältig planen! Distanz Werkzeuge und Schlupfkästen sind ein Muss. Giftschlangen langt man nicht an. Einen Notfallplan entwickeln und dem Serumdepot Berlin beitreten. Spot on Behandlungen durch ein kleines Bohrloch in der Schlupfkiste (z.B. Profender) können hilfreich sein.


Mittel für Reptilien vorbereiten, kalkulieren, anwenden und abgeben.

  • Es gibt keine zugelassenen Arzneimittel und Impfstoffe für Reptilien und müssen vom Tierarzt umgewidmet werden.
  • Durch Studium von Fachliteratur und Internet, Fortbildung und Befragung von Kollegen wählt der Tierarzt geeignete Medikamente und Zubereitungen, Dosis und Anwendungsintervall aus.
  • Ivermectine nie bei Schildkröten, Vitamin A Präparate nicht bei Landschildkröten.
  • Euthanasie mit Barbituraten. Einfrieren ist schmerzhaft und tierschutzwidrig!
  • Die Präparate müssen oft verdünnt werden, um ein akzeptables Anwendungsvolumen zu erzielen (physiologische Kochsalzlösung , Propandiol oder Wasser).
  • Injektionspräparate werden auch oral angewendet.
  • Präparate können vom Tierarzt für den Behandlungsfall auch abgegeben werden und müssen dazu geeignet beschriftet werden. Der Besitzer muss eingewiesen werden.
  • Orale Anwendung (über das Futter, direkte Eingabe) sind dabei je nach Tierart nicht unbedingt die geeignete Wahl, da die Dosis schwer kontrollierbar ist bzw. sich die Tiere widersetzen . Spot-on (Auftropfen) oder Injektion sind oft viel geeigneter.
  • Ob die Injektionsstelle im Vorder – oder Hinterkörperbereich gewählt wird, ist nicht entscheidend.
  • Sie assistieren bei der Behandlung von Reptilien zwischen 1 Gramm und 1 Tonne Körpergewicht, das ist ein sehr großer Unterschied.
  • Injektionsvolumen: Für Tiere kleiner 10 g sind 1ml/100g, im Kilobereich 1ml/kg und im 100 kg Bereich 1ml/10kg KM geeignet, abgesehen von Infusionen.
  • Immer wiegen: Eidechsen erscheinen schwerer, Schildkröten leichter als sie sind.
  • Und dann kommt der Dreisatz oder eine andere Methode, um das Anwendungsvolumen zu bestimmen. Dabei muss der gesunde Menschenverstand mithelfen, Fehler zu vermeiden. Vier Augen sehen mehr als zwei!

Wohin mit der Arznei? Manche Freunde sind schwer zu überzeugen.

Da hilft nur das Eine: geeignete Präparate (z.B. Profender) auftropfen! Steppenschildkröte, Testudo horsfieldii.


Mittel für Reptilien vorbereiten: der Dreisatz, ein bisschen Rechnen.

  • Aufgabe: Sie wiegen eine Bartagame mit 126 g. Die Injektions Dosis für jeden zweiten Tag soll 20 mg/kg betragen. Das Präparat hat 18% Wirkstoff. Welche Verdünnung schlagen Sie vor und welches Injektionsvolumen wird dem Tier schließlich verabreicht?
  • Nicht so einfach, aber lösbar.
  • Vorüberlegungen: Welches Injektionsvolumen wollen wir dem Reptil zumuten? 1 ml ist ein zu großes Volumen (eine ganze Tuberkulinspritze mit 1 ml),
  • 0,1 ml scheint akzeptabel (ein großer Teilstrich auf der Spritze); 0,01 ml ist zu wenig (kleinste Teilstriche auf der Spritze).
  • Vorüberlegungen: etwas Runden ist erlaubt.
  • 18% (18 von 100) Wirkstoff (da darf man nichts falsch machen!) bedeutet 180 mg/ ml (1000 mg/ml wäre 100%)  das Injektionsvolumen wäre ca. 1 ml /10 kg und 0,1 ml/ kg und 0,01 ml / 100 g das ist ein zu kleines Volumen für unseren Fall.
  • Verdünnen wir 1 Teil Präparat und 9 Teile Kochsalzlösung dann haben wir nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Konzentration und könnten dann das 10 fache Volumen verabreichen: statt 0,01 ml also 0,1 ml mit der Tuberkulinspritze. Das ist akzeptabel.
  • Also 0,1 ml des Ursprungpräparates aufziehen und weiter die 1 ml Spritze mit physiologischer Kochsalzlösung vollziehen, etwas geschüttelt und dann die Injektion gut 0,1 ml in den Oberschenkel . Das passt.
  • Wer sich auskennt kann auch eine Excelformel entwickeln, das Ergebnis steht und fällt allerdings mit der Eingabe.
  • Wer sich auskennt kann auch den Dreisatz mit dem Taschenrechner oder per Hand auflösen.
  • Oft ist es sinnvoll, wenn zwei mitrechnen und mitdenken.

Wiegen und Dreisatz Rechnen

Dreisatz Aufgabe: Der große Kerl wiegt 500g und soll ein Präparat bekommen das
2ml/kg dosiert wird. Wieviel müssen wir in der Spritze vorbereiten? Bartagame, Pogona vitticeps.


Wiegen und Dreisatz Rechnen – die Lösung


Reptilien stationieren und pflegen – Sonderfall Überwinterung.

  • Alle Reptilien haben in der Natur Ruhephasen (zu trocken, zu nass, zu kalt, zu heiß, kein Futter). Reptilien aus gemäßigten und subtropischen Breiten halten mehrmonatige Winterruhe (Hibernation) in frostfreien Unterschlüpfen, um die ungünstige Jahreszeiten zu überstehen und bereiten ihren Stoffwechsel auf die Fortpflanzung im Frühjahr vor. In subtropischen und milden Breiten wird diese Winterruhe an sonnigen Tagen unterbrochen. Europäische Schildkröten und nordamerikanische Wasserschildkröten, Leopardgecko und Kornnattern werden bei Temperaturen unter 10 °C mehrmonatig (je nach Art, Alter und Konstitution) überwintert, Bartagamen und Jemenchamäleon bei niedrigen Zimmertemperaturen.
  • Die Überwinterung als Praxisservice ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Die Tiere einen Monat, besser zwei Monate vor der Winterruhe gründlich untersuchen und Parasiten kontrollieren. Herpesvirusträger isolieren! Nur gesunde Tiere überwintern, bzw. die Winterruhe verkürzen. Die Winterruhevorbereitung mit dem Halter besprechen und entsprechenden Plan mitgeben. Phase 1: 14 Tage keine Fütterung, Bestrahlung jeden 2. oder 3. Tag, Wasser und/oder Bad anbieten. Phase 2: 14 Tage keine Bestrahlung und bei kühler Raumtemperatur halten. Erst dann einwintern.
  • Bei Freilandhaltung von europäischen und nordamerikanischen Schildkröten bis Ende November und leichtem Frost draußen halten. Tiere müssen sich dort an einer kontrollierbaren Stelle eingraben können. Dann ohne Vorbereitung in den Einwinterungsraum (Hibernaculum).
  • Ein geeigneter Keller, Garage oder Kühlschrank oder Kühlraum dient als Hibernaculum. Die Tiere werden einzeln in Kunststoffboxen mit Luftlöchern und leicht feuchtem Kokosfasersubstrat (um den Wasserlust zu reduzieren!) untergebracht und einmal wöchentlich kontrolliert, eventuell gewogen und nachgefeuchtet. Landschildkröten und Wasserschildkröten können auch in Gruppen in Mörtelwannen überwintern. Wasserschildkröten entweder in seichtem Wasser oder nassem Laub einwintern.
  • Die Behältnisse mit Name, Kontaktdaten, Tierart, Anzahl, Gewicht, Infektionsstatus und Ein/Auswinterungsdatum beschriften. Nach dem Auswintern wiegen und Strahlung über 2 bis 3 Tage hochfahren, dann Wasser und Futter anbieten, eventuell baden.

Reptilieninfektionen durch Hygiene vermeiden.

  • Mensch und Reptil können sich gegenseitig anstecken und natürlich Reptilien untereinander.
  • Alle Reptilien müssen als potentielle Salmonellenträger eingestuft werden. Salmonellen gehören zur normalen Keimflora von Reptilien. Händewaschen vor und nach der Handhabung sind eine wirksame Vorbeuge.
  • Virusinfektionen (bei Schildkröten Herpes, bei Schlangen Paramyxo) sind gefährliche Krankheiten. Vorher und nachher Hände und Gerätschaften desinfizieren.
  • Infektiöse Terrarien zuletzt pflegen. Entsprechend getrennte Pflegemittel vorhalten.
  • Quarantäne Terrarien immer im „Rein-Raus“ Verfahren besetzen. Vor Neubesatz gründlich reinigen und desinfizieren, z.B. mit verdünnter Peressigsäure. Alte Einrichtungen entsorgen.
  • Durch Planung die einfache Reinigung und Pflege sicherstellen. Spalten zugänglich halten oder vermeiden.
  • Sauber bedeutet nicht keimfrei: Eine gesunde Keimflora schützt Reptilien. Gesunde Keimflora durch frische Walderde, Moos oder Äste einbringen.

Peressigsäure haltige Mittel z.B. Wofasteril von Kesla (10% und 40%) sind verdünnt sofort wirksame und unbedenkliche Terrariendesinfektionsmittel. Aggressive Sauerstoffradikale „verbrennen“ Mikrobenstrukturen und Essigsäure wirkt auf Mikroben keimhemmend und abtötend. Vorher reinigen, dann desinfizieren und beachten Sie die Arbeitssicherheit. Für die Parasitendesinfektion gibt es leider keine so unbedenkliche Mittel. Gerne wird hier auch heißer Wasserdampf verwendet.


Reptilienbehandlung dokumentieren und Kunden beraten.

  • Reptilienkrankheiten sind zu 90% Haltungsfehler. Hier greift der Slogan „das Wort, das Licht , die Arznei“ genau in dieser Reihenfolge, sonst bleiben die therapeutischen Reparaturversuche sinnlos. Die Beratung ist das wichtigste „Arzneimittel“ in der Reptilienpraxis.
  • Maßnahme: ein Beratungsprotokoll entwerfen, während der Behandlung durch Skizzen und Hinweise ausfüllen und dem Besitzer zur Gedächtnisstütze mitgeben. Worte allein sind Schall und Rauch.
  • Diese protokollierte Beratung muss finanziell honoriert werden.
  • Die Besitzer sind dafür durchaus dankbar, da sie aus der Vielfalt der Informationen von Buch Internet und Züchter und Händler nicht fähig sind die richtigen Schlüsse zu ziehen.
  • Der Reptilien Tierarzt und wenn damit beauftragt, der Tierarzthelfer ist in diesen Fragen der unparteiische, kompetente Berater.
  • Halten Sie die Aussagen kurz und bündig: vier fünf klare Verbesserungspunkte sind vollkommen ausreichend. Keine Abweichungen zulassen.
  • Dokumentieren Sie die Beratung durch ein Foto oder eine Kopie des Protokoll Dokumentes.
  • Halten Sie vorbildliche, zur Tierart passende Beleuchtungssysteme in der Praxis vorrätig und bieten Sie diese dem Tierhalter zum Kauf an.
  • Messen Sie Beleuchtungssysteme des Besitzers mit Solarmeter 6.2 und beraten Sie ihn entsprechend. Bieten Sie diesen Service regelmäßig zur Kontrolle an. Verleihen Sie das Solarmeter gegen Pfand und Honorar.

Beratungsprotokoll


Mit einem Radardiagramm können Sie schnell auf die Schwachstellen eingehen.

Die Anwendungen lassen sich einfach dokumentieren.


Reptilien transportieren.

  • Reptilien sind solarbetrieben und haben einen Stoffwechsel 90% niedriger als vergleichbare Warmblüter. Auch der Sauerstoffbedarf ist entsprechend niedriger.
  • Zur Isolation werden Reptilien in Styroporboxen OHNE Luftlöcher transportiert. In den Boxen werden sie in Stoffsäckchen oder Heimchenboxen gesichert. Immer ohne Wasser, auch Wasserschildkröten. Die Beigabe von Futter ist überflüssig. Der Transportbehälter ist ein Schlupfwinkel kein Dauerterrarium!
  • Die Stoffbeutel sind mit den Nähten nach außen zu verwenden, um Strangulationen an losen Fäden zu vermeiden. Boxen sind mit Tape zu sichern. In der kalten Jahreszeit müssen aktivierte Heatpacks unter den Deckel geklebt werden. Dort versorgt ein Loch den Heatpack mit Luft.
  • Bei Fremdtransporten sind die Beschriftung „Lebende Tiere“ und Pfeil „OBEN“ unverzichtbar. Zum Fremdtransport sind nach Tierschutztransportverordnung nur zugelassene Reptilien Transportfirmen zu beauftragen und die Behältnisse zu beschriften (Adresse, Kontaktdaten, Telefon, Tierarten und Anzahl, Aufkleber „Lebende Reptilien“ und Pfeil „Oben“). .
  • Der Transportstart darf nur bis Mittwoch erfolgen, um eine Ankunft am Wochenende auszuschließen. Die Modalitäten sind zwischen Versender und Empfänger genau abzusprechen. Telefonieren!
  • Der Transport zum Tierarzt ist auch bei streng geschützten Anhang A Arten ohne Genehmigung möglich und es ist auch bei gewerblichen Haltern, die ihre Tiere auch über 60 km zum Tierarzt transportieren, keine Genehmigung nach Tierschutztransportverordnung einzuholen.

Transportbox mit Wärmebeutel (Heatpack).


Reptilienkunden gewinnen und behalten.

  • Reptilienkunden müssen in anderen Bereichen als die üblichen Kleintierkunden von der Existenz eines interessierten und fachkundigen Tierarztes bzw. Praxisteams erfahren. Bei der Entwicklung einer entsprechenden Praxispolitik werden Sie vielleicht in einer Teambesprechung eingeladen.
  • Engagement in einer DGHT Ortsgruppe (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde) z.B. durch Vorträge oder Beiträge in DGHT Diskussionsforen sind nützlich. Ein kleiner Artikel in einer Fachzeitschrift kann hilfreich sein. Nachbarkollegen können über das Reptilienengagement der Praxis informiert werden. Besuch und Präsenz auf einer örtlichen Terraristikbörse mit einem Flyer sind empfehlenswert. Eine Webpage und Facebook kann zur Werbung genutzt werden. Züchteradressen können über die DGHT und aus den Artenschutzpapieren bezogen werden. Örtliche Reptilienhändler können informiert werden.
  • Die Reptiliensachkunde muss für den Kunden erkennbar sein. Nutzen Sie Internet Tutorials (wie dieses hier), TFA Seminare z.B. auf den AGARK Kongressen (Arbeitsgemeinschaft Amphibien und Reptilienkrankheiten der DGHT). Nehmen Sie an §2 und §11 Sachkundeschulungen, wie sie von VDA/DGHT (Verein deutscher Aquarianer und Terrarianer) angeboten werden teil (z.B. das Sachkundezentrum MUC in München) und lassen Sie sich diese Fähigkeiten attestieren. Die Diplome dann entsprechend in dem Wartebereich aushängen.
  • Legen Sie einschlägige Fachzeitschriften und Literatur (Reptilia, Marginata) im Wartezimmer aus. Schalten Sie dort Anzeigen.
  • Dekorieren Sie das Wartezimmer mit passenden Bildern und Terrarien.
  • Halten Sie die reptilienspezifischen Instrumente und Präparate in der Praxis vorrätig.
  • Bieten Sie Lampentests und Winterruhe- und Parasiten Untersuchungen im Frühjahr und Herbst an und kündigen diese mit Email Aktionen an.
  • Bieten Sie einen Überwinterungsservice für Reptilien an.

Reptilienkunden gewinnen und behalten.

Aufgabe: Nehmen Sie ein Blatt Papier und sammeln Sie alle Ideen mit der Mindmap Methode. Schreiben Sie in den Mittenkreis „ Reptilienkunden gewinnen und behalten in unserer Praxis“ und fügen Sie Ihre Ideen rund um den Mittenkreis. Machen Sie dann eine Liste mit Zeitplan und Aktionen, um die Ideen umzusetzen. Wenn Sie in der Gruppe arbeiten nehmen Sie eine Flipchart oder eine Metaplantafel. Wichtig: einigen Sie sich vorher über die Zeit (z.B. 15 Minuten). Wer schreibt und moderiert? Wer schaut auf die Uhr und treibt die Gruppe an in der Zeit zu bleiben?


Reptilienwissen und Informationen beschaffen – wichtige Links.

Kontakt Verfasser:

Fachtierarztpraxis für Reptilien
Dr. Henry Brames
Heimgartenstr.33
85221 Dachau
Germany
Telefon: 0049-8131-55131
Mobil: 0049-171-8181848
Fax: 0049-8131-55132
Mail: henry.brames@t-online.de
Web: www.qmvet.de
Facebook: henry brames;; reptilienpraxis;; sachkundezentrum muc


Geschafft

Ende Modul 3 (M3) Reptilien Ansprüche in Terrarium übersetzen.

Es stehen 12 Multiple-Choice Fragen bereit. Danke für Ihr Mitarbeiten!

Dr. Henry Brames

AWB-2142148100