Therapie von bakteriellen Erkrankungen mit Antibiotika

Therapie von bakteriellen Erkrankungen mit Antibiotika

Meist gestaltet sich die orale Verabreichung von Medikamenten an Kleinsäuger durch den Besitzer noch schwieriger als bei Hunden und Katzen. Daher ist Präparaten, die nur einmal am Tag gegeben werden müssen, der Vorzug zu geben. Außerdem ist es einfacher, ein flüssiges Präparat zu verabreichen. Manche Kleinsäuger nehmen Medikamente freiwillig auf, wenn sie in zerquetschten Früchten oder Marmelade angeboten werden. Muss eine Gruppe von mehreren Tieren behandelt werden, ist eine Medikation über das Trinkwasser oder Futter von Vorteil. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass kranke Tiere häufig wenig Nahrung und Flüssigkeit aufnehmen und damit möglicherweise unterdosiert sind!

Natürliche darmeigene Bakterien spielen bei Nagern und Kaninchen eine wichtige Rolle für die Produktion von Fettsäuren (zur Energieversorgung), Proteinen und Vitaminen (werden durch die „Zäkotrophie“ = Aufnahme des Blinddarmkotes aufgenommen).

Die orale Verabreichung spezieller Antibiotika wie Penicillin, Lincomycin, Ampicillin, Amoxicillin, Clindamycin, Cephalosporine und Erythromycin kann diese Bakterien nachhaltig schädigen und lebensbedrohliche Verdauungsstörungen zur Folge haben. Daher sollte auf den Einsatz dieser Antibiotika möglichst verzichtet werden. Bei zwingender Indikation (z.B. Schnupfeninfektionen beim Kaninchen) dürfen sie auf keinen Fall oral, sondern nur parenteral verabreicht werden.

Die gleichzeitige Gabe von Lactobazillen in Form von Joghurt oder Quark mit der Antibiotikatherapie stabilisiert die empfindliche Darmflora. Aus dem gleichen Grund können auch Bird Bene Bac®, Apfelpektin oder Kotaufschwemmungen von gesunden Tieren verabreicht werden.

Bei der Injektion von Antibiotika gibt man lokal gut verträglichen, zur subkutanen Injektion geeigneten Präparaten den Vorzug, da die Muskelmasse für eine intramuskuläre Injektion meist zu klein ist.

Antibiotika sind wie alle Medikamente in der Regel nicht speziell für die Anwendung bei kleinen Heimtieren zugelassen und müssen daher nach den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes umgewidmet werden.

  • Chloramphenicol

z.B. als Saft direkt oral oder über das Trinkwasser

Chloramphenicol muss 2x täglich verabreicht werden.
Es ist ein Breitspektrumantibiotikum, d.h., es zeigt einen großen Wirkungsbereich. Da es bakteriostatisch wirkt (d.h.: Bakterien werden nicht abgetötet, sondern nur in ihrer Vermehrung gehemmt) ist seine Wirkung im Vergleich mit einem bakterizid (d.h: tötet Bakterien ab) wirkenden Antibiotikum etwas verzögert.

  • Doxycyclin

Die Tabletten können in Wasser aufgelöst und entsprechend dosiert werden.
Es ist wie Chloramphenicol ein Breitspektrumantibiotikum mit bakteriostatischer Wirkung.

  • Enrofloxacin

Enrofloxacin ist ein bakterizid wirkendes Antibiotikum mit einem breiten Wirkungsspektrum. Von Vorteil ist der lang anhaltende Wirkspiegel, so dass eine einmalige Verabreichung am Tag ausreichend ist. Es gilt als Antibiotikum der Wahl für Kleinsäuger.
Bei der Injektion können hohe Konzentrationen zu lokalen Hautreizungen führen. Die orale Verabreichung ist gut verträglich. Es kann sowohl direkt als auch über das Trinkwasser verabreicht werden. Enrofloxacin sollte nicht bei tragenden Tieren und Tieren, die sich noch in der Wachstumsphase befinden, angewendet werden.
Ein Präparat, das für Kaninchen, die als Heimtiere gehalten werden zugelassen ist, ist auf dem Markt.

  • Pradofloxacin

Pradofloxacin ist ebenfalls ein bakterizid wirkendes Antibiotikum. Zusätzlich zum Wirkungsspektrum des Enrofloxacins wirkt Pradofloxacin auch gegen anaerobe Bakterien. Erste gute Erfahrungen wurden beim Einsatz bei Kaninchenschnupfen, Mycoplasmeninfektionen bei Ratten und anderen Atemwegserkrankungen sowie bei Zahnabszessen gemacht. Pradofloxacin gibt es in Tablettenform für Hunde und Katzen sowie als geschmacksoptimierte Suspension für Katzen. Zu beachten ist, dass die Suspension bei reinen Pflanzenfressern (Kaninchen, Meerschweinchen) wahrscheinlich aufgrund der pH-Wert-Verhältnisse im Magen und Dünndarm weniger wirksam ist. Hier sollte auf die Tabletten zurückgegriffen werden. Diese können zermörsert und mit wenig Wasser vermischt oral appliziert werden. Erste Erfahrungen bei Ratten, Mäusen und Hamstern zeigten, dass die Suspension bei diesen Spezies gut wirksam ist und gerne von ihnen aufgenommen wird.

  • Gentamycin

Gentamycin ist ein Reserveantibiotikum und sollte nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Es darf nur bei erhaltener Nierenfunktion gegeben werden.
Da sein Wirkungsspektrum eingeschränkt ist, sollte es nur nach vorausgegangenem Resistenztest verwendet werden.

  • Penicillin- Streptomycin

Darf nur beim Kaninchen und nur parenteral verabreicht werden. Indikationen beim Kaninchen sind therapieresistente Abszesse und Kaninchensyphilis.

  • Sulfonamid / Trimethoprim

Kann bei Injektionen zu Gewebereizungen führen.
Meist sind Kindersäfte aus der Humanmedizin leichter dosier- und applizierbar.
Sulfonamid / Trimethoprim Präparate verfügen über ein breites Wirkungsspektrum mit bakterizider Wirkung. Allerdings gibt es schon einige resistente Keime. Sulfonamide sollten nicht bei tragenden Tieren angewendet werden. Die Verabreichung erfolgt 2x täglich.

  • Tetrazyklin

Kann bei Langzeitanwendung zu Nierenschäden führen. Daher muss unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden.

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