Spezielle Milbenarten

Spezielle Milbenarten

Milben

Milben sind die häufigsten Verursacher von Dermatosen beim Kleinsäuger. Sie treten in einer großen Vielfalt auf: Cheyletiellen, Sarkoptes-, Notoedres-, Otodectes-, Demodex- und tropische Rattenmilben werden diagnostiziert.

Die Ansteckung erfolgt durch Kontakt oder durch Einschleppung mit kontaminiertem Futter oder Einstreu.
Einige Milbenarten leben auf Haut und Haaren (Cheyletiellen) oder in Haarbälgen (Demodexmilben), andere sind Blutsauger (Tropische Rattenmilbe).

Allgemein typische klinische Symptome sind vermehrtes Putzverhalten, Juckreiz, Krusten, Borken, Haarausfall, Hautwunden, epileptiforme Anfälle (Meerschweinchen). Manche Tiere zeigen auch trotz Infektion keinerlei Symptome: „symptomlose Träger“.

Achtung!: Einige Milbenarten (Cheyletiellen, Tropische Rattenmilbe) gehen auf den Menschen über – Zoonose! - und verursachen Juckreiz, Hautrötungen und Ekzeme, besonders bei Kindern.
Wichtig bei der Behandlung: Umgebungsbehandlung und Behandlung aller Kontakttiere.

Cheyletiellose, Raubmilbenbefall

Diese Milben können besonders bei Kaninchen im Nacken- und Rückenbereich Haarausfall, Schuppen und Juckreiz verursachen. Da sie sehr oberflächlich auf der Epidermis leben, können sie leicht mit Hilfe eines Tesafilmabklatschpräparates nachgewiesen werden.

Bei einem massiven Befall liegt häufig eine andere Grunderkrankung vor, insbesondere Zahnprobleme, die das Kaninchen daran hindert regelmäßige Fellpflege zu betreiben und damit die Parasiten zu entfernen.

Ohrräude des Kaninchens

Ohrräude ist die beim Kaninchen am häufigsten auftretende Ektoparasitose und wird durch die Milbe Psoroptes cuniculi verursacht. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt von Tier zu Tier und kommt deshalb besonders bei Gruppenhaltung vor. Die Milbe lebt auf der Haut des äußeren Gehörganges und der Innenseite der Ohrmuschel und ernährt sich von Gewebeflüssigkeit und Blut.

Klinische Symptome:
Bei hochgradigem Befall sind große Teile des Gehörganges und der inneren Ohrmuschel mit blätterteigähnlichen, gelbbräunlichen Krusten und Borken behaftet. In Extremfällen breitet sich diese Räudeform auch auf die äußere Ohrmuschel sowie den Kopf- und Halsbereich aus. Die Tiere zeigen heftigen Juckreiz, Kopfschütteln und Kopfschiefhaltung. Kommt es zu bakteriellen Folgeinfektionen des Mittel- und Innenohres treten auch Störungen des Zentralen Nervensystems auf.

Diagnose:
Die Diagnose kann leicht anhand des typischen klinischen Bildes gestellt werden. Die Milben und deren Entwicklungsstadien (Eier und Larven) können mit Hilfe des Otoskopes im Gehörgang sowie in Ohrgeschabseln (Kalilaugenpräparat) festgestellt werden.

Borkige Beläge Ohrräude Kaninchen
(KLEINTIERMEDIZIN)

Therapie:
Gehörgänge und Ohrmuscheln müssen vorsichtig mit einem milden Antiseptikum, zum Beispiel Betaisodona – Lösung oder milde Ohrreiniger, von den gröbsten Borken und Schuppen befreit werden. Die Parasiten werden systemisch mit Makrozyklischen Laktonen bekämpft. Moxidectin oder Selamectin zum Beispiel werden als Spot-on lokal auf die Nackenhaut aufgeträufelt, In schweren Fällen werden Makrozyklische Laktone auch injiziert. Fallberichte zeigen, dass zum Teil auch die lokale Anwendung von Makrozyklischen Laktonen, das heißt, das Einträufeln in den befallenen Gehörkanal, möglich ist.
Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, dass alle Kontakttiere mitbehandelt werden und die Unterbringung der Tiere gründlich gereinigt wird.

Meerschweinchenräude

Meerschweinchen werden von zwei verschiedenen Milbenarten befallen: Pelzmilben und Sarkoptesmilben.

Pelzmilben

Pelzmibe (www.meerchenwelt.de)

kommen häufig massenhaft bei geschwächten Tieren vor.

Klinische Symptome: Heftiger Juckreiz und Haarausfall besonders im Flankenbereich sind typisch. Haare, die durch den Juckreiz von den Tieren ausgezupft werden, sammeln sich zwischen den Backenzähnen an. Diagnose: Die Milben können mit Hilfe des Tesafilmabklatschpräparates nachgewiesen werden.

Sarkoptesmilben

Sarcoptesmilbe (Trixacarus) Meerschw.

Klinische Symptome:
Bei der Sarkoptesräude ist der Juckreiz so heftig, dass es durch ständiges Bekratzen der Haut zu Haarverlust, Krusten, Schuppen, Borken, Schwielenbildung, teilweise blutenden Wunden und „Brillenbildung“ (Haarverlust um die Augen) kommt.
Bereits das Anfassen der Tiere, zum Beispiel im Rahmen der Untersuchung in der Tierarztpraxis, oder auch das besonders starke Kratzen kann epileptiforme Krämpfe auslösen!

Diagnose:
Da das klinische Bild meist recht typisch ist, sollte man, insbesondere in hochgradigen Fällen, auf ein Hautgeschabsel zwecks Erregernachweis verzichten.

Therapie:
Außer der speziellen antiparasitären Behandlung mit Makrozyklischen Laktonen ist es meist hilfreich, die körpereigenen Abwehrkräfte durch die Zufuhr von Vitamin C zu stärken.

Tropische Rattenmilben (Ornithonyssus bacoti)

Ornithonyssus bacoti
Der Name dieser Milbenart ist in zweierlei Hinsicht irreführend:

  • Nicht nur Ratten, auch Mäuse, Hamster und Gerbile werden unter den Heimtieren von dieser Milbenart befallen.
  • Sie kommt nicht nur in den Tropen vor: Sie tritt auch in unseren Breiten bei wildlebenden Ratten, Mäusen und Vögeln auf.

Die blutsaugenden Milben gehen auch auf den Menschen über und lösen Juckreiz und Hautrötungen aus = Zoonose!.

Klinische Symptome:
Hochgradiger Juckreiz, bei Massenbefall auch Anämie und Abmagerung gelegentlich sogar Todesfälle sind Folgen einer Infektion.

Diagnose:
Im Gegensatz zu anderen Milbenarten leben Tropische Rattenmilben nicht stationär auf ihren Wirten sondern befallen diese nur zum Blutmahl und zwar vorzugsweise nachts. Vollgesogene Milben sind ca. 1mm groß und makroskopisch auf der Haut der Wirtstiere zu erkennen. Ansonsten gelingt der Parasitennachweis häufig eher in der Einstreu als auf dem Tier!

Therapie:
Bei dieser Erkrankung muss außer der Behandlung des Tieres ganz besondere Beachtung der Entseuchung der Umgebung zukommen! Hierbei können Mittel zur Umgebungsbehandlung eingesetzt werden, die auch in der Flohbekämpfung Anwendung finden. Die Milben vermehren sich sehr rasch, so dass es auch zu einem Massenbefall von Wohnungen und Gebäuden kommen kann. In solchen Extremfällen muss die Entwesung durch einen Kammerjäger erfolgen.

AWB-2142148100