Zahnerkrankungen

Zahnerkrankungen

Bei Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla und Degu wachsen Backen- und Schneidezähne lebenslang (so genannte „wurzellose Zähne“).
Bei Hamster, Ratte, Maus, Gerbil und Streifenhörnchen gilt dies nur für die Schneidezähne. Die Backenzähne besitzen bei diesen Tieren geschlossene Wurzeln und wachsen daher nicht nach.
Kaninchen (und Hasen) haben im Oberkiefer 4 Schneidezähne, wobei 2 sehr kurze, stiftartige Incisivi hinter den kräftigen vorderen Schneidezähnen liegen.
Die Wachstumsgeschwindigkeit der Schneidezähne ist beeindruckend: Sie beträgt beim Kaninchen 0,5 – 1mm pro Tag!

Achtung Besonderheiten Kaninchen:
- Schneidezähne sind beim Kaninchen weiß, bei den Nagern gelb bis gelb-orange!
- In Ruhestellung haben die Ober- und Unterkieferschneidezähne beim Kaninchen miteinander Kontakt bei den Nagern nicht!
- Beim Kaninchen sind Ober- und Unterkieferschneidezähne etwa gleich lang, bei Nagern sind die Unterkieferschneidezähne länger als die Oberkieferschneidezähne!

Beim Kauvorgang kommt es zu einer natürlichen Abnutzung der Zähne, die wichtig ist, um die Zähne auf physiologischer Länge zu halten. Durch angeborene oder erworbene Fehlstellung der Kiefer oder infolge fehlerhafter Fütterung (zu wenig Heu, zu wenig benagbare Futtermittel wie Möhren oder Zweige) oder auch infolge mangelnder Futteraufnahme durch eine andere Erkrankung kann es zu einem verminderten und ungleichmäßigen Abrieb der Zähne kommen. Einzelne oder auch gleich mehrere Zähne können stark überwachsen, messerscharfe Zahnspitzen besonders im Backenzahnbereich können die Mundschleimhaut und die Zunge verletzen, oder es können sich regelrechte Zahnbrücken über die Zunge bilden.

Klinische Symptome:
Typischerweise zeigen die betroffenen Tiere zögerliche Futteraufnahme bis hin zur vollständigen Futterverweigerung, Abmagerung und starkes Speicheln, so dass das Fell im Bereich der Mundwinkel und des Kinns häufig nass und verklebt ist.
Beim Kaninchen und Chinchilla kann es durch überlanges Zahnwurzelwachstum und Reizung der Kieferknochen zu einer Verengung oder totaler Verlegung der Tränenkanäle kommen. Die Folge davon ist vermehrter, teilweise zähflüssig, weißer, eitriger Tränenfluss. Eine weitere, bei Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas häufig auftretende Komplikation überlanger Backenzähne und damit Reizungen des Kieferknochens sind Kieferabszesse. Trotz chirurgischer und intensiver antibiotischer Versorgung neigen diese häufig zu Rezidiven.

Therapie:
Das therapeutische Vorgehen basiert gleichermaßen auf der chirurgischen Zahnkorrektur wie auf der Korrektur des Fütterungsmanagements.

AWB-2142148100