Die Prämedikation

Narkosevorbereitung

Die Prämedikation beinhaltet die Verabreichung von Wirkstoffen vor der eigentlichen Narkoseeinleitung. Sie ist abhängig von der Art der nachfolgenden Narkose und den dabei geplanten Narkotika.

1. Die Verabreichung von Atropin
Einige Anästhetika, wie zum Beispiel Xylazin und Pentobarbital, können die Herzfrequenz herabsetzen und zu vermehrtem Speicheln, Tränenfluss und Erbrechen führen. In Kombination mit diesen Narkosemitteln wird Atropin verabreicht, um solche Nebenwirkungen zu vermeiden.

2. Die Verabreichung von Sedativa
Sedativa werden in der täglichen Praxis häufig eingesetzt zum Transport oder Untersuchung besonders ängstlicher oder widersetzlicher Tiere, bei Spezialuntersuchungen wie Röntgen und Ultraschalluntersuchungen oder auch bei kleinen Eingriffen unter Lokalanästhesie (zum Beispiel: Biopsieentnahme)

Sedativa beruhigen den Patienten, verringern Abwehrbewegungen und erleichtern damit die Einleitung der Narkose. Sedativa bewirken keine Bewusstlosigkeit (Hypnose). Je nach verwendeten Wirkstoffen können sie den Verbrauch an Narkosemitteln senken.
In der Kleintiermedizin häufig eingesetzte Sedativa sind Acepromazin, Diazepam und Alpha2-Agonisten wie Xylazin und Medetomidin

  • Acepromazin wirkt etwa 15 – 30 Minuten nach intramuskulärer Verabreichung (kann auch oral, s.c. und i.v. verabreicht werden) beruhigend, sedativ und antiemetisch (Acepromazin hemmt das Brechzentrum). Je nach Dosis hält die Wirkung 1 bis 6 Stunden an. Die Schmerzempfindung wird nicht ausgeschaltet. Das Anästhesiestadium I (siehe unten) wird erzielt. Acepromazin wirkt blutdrucksenkend und kann einen Abfall der Körpertemperatur verursachen.
  • Diazepam wird häufiger in der Kleintierpraxis eingesetzt. Es wirkt angstlösend und beruhigend, jedoch nur schwach sedierend. Es wirkt außerdem krampflösend und wird daher auch zur Behandlung epileptischer Anfälle eingesetzt.
    Allerdings kann die Verabreichung bei erregten Hunden und Katzen auch zu paradoxen Reaktionen führen, d.h. anstatt sich zu beruhigen, regen sich die Tiere massiv auf, werden hektisch, nicht mehr kontrollierbar und teilweise auch aggressiv.
    Da Kreislauf und Atmung kaum beeinträchtigt werden, kommt Diazepam oft bei Risikopatienten zu Einsatz.
  • Xylazin wirkt sedierend, muskelentkrampfend und kurzzeitig analgetisch. Seine alleinige Wirkung ist ausreichend für kleine, wenig schmerzhafte Manipulationen wie zum Beispiel Verbandwechsel. Ohne vorherige Verabreichung von Atropin bewirkt Xylazin beim Hund häufig, bei der Katze fast immer Erbrechen (diese Eigenschaft wird bei Katzen genutzt, um im Vergiftungsfall Erbrechen auszulösen). Es bewirkt einen Abfall des Blutdruckes und eine Abnahme der Herzfrequenz. Bei gestressten Tieren kann es zu paradoxen Exzitationen kommen.
  • Medetomidin gehört zur gleichen Wirkstoffgruppe wie Xylazin. Es wirkt sedativ (etwa 3 Stunden) und analgetisch (etwa ½ Stunde).

Beide Stoffe, Xylazin und Medetomidin können antagonisiert werden. Das heißt, durch die Verabreichung eines Antagonisten, eines „Gegenspielers“, in diesem Fall Atipamezol können sowohl die sedierende als auch die analgetische Wirkung sowie auch Nebenwirkungen (Blutdruckabfall, Herzfrequenzabfall, Atemdepression) aufgehoben werden.

3. Die Verabreichung von Analgetika
Modernes Narkosemanagement berücksichtigt zunehmend die Rolle des Schmerzempfindens nicht nur während des Eingriffes sondern auch vor und nach der Operation.

Intensive Reizung von Schmerzrezeptoren, wie sie bei einer Operation vorkommen, können zu einer Überempfindlichkeit gegen Schmerzsignale nach der Operation führen: das so genannte „Schmerzgedächtnis“ (siehe auch Fernkolleg „Schmerzmanagement“).

Die Gabe von Analgetika präoperativ verhindert diese übermäßige Sensibilisierung und lässt auch Schmerzen nach der Operation erst gar nicht so stark auftreten.

Muss mit postoperativen Schmerzen und Entzündungen gerechnet werden, empfiehlt sich der Einsatz von NSAID's (nichtsteroidalen Analgetika/Antiphlogistika; siehe auch Fernkolleg „Schmerzmanagement“) oder Metamizol oder langwirkenden Opioiden (siehe auch Fernkolleg „Schmerzmanagement“) bereits vor der Narkoseeinleitung.

  • NSAID's können zu Nebenwirkungen wie Reizung der Magen- Darmschleimhaut, Leber- und Nierenfunktionsstörungen und vermehrter Blutungsneigung führen. Sie dürfen daher nicht bei Risikopatienten und Patienten mit entsprechenden Grunderkrankungen eingesetzt werden. Vor der Verabreichung von NSAID's sollte immer eine Blutuntersuchung erfolgen.
    In Deutschland zugelassene NSAID's: Carprofen,Cimicoxib Firocoxib, Flunixin, Ketoprofen, Mavacoxib, Meloxicam, Robenacoxib, Tolfenaminsäure.
  • Metamizol ist ein sehr potentes Schmerzmittel mit einer Wirkdauer von 4 bis 6 Stunden. Es wirkt zusätzlich fiebersenkend und spasmolytisch auf die glatte Muskulatur und wird daher häufig auch bei Darm- und Blasenkoliken eingesetzt.
  • Buprenorphin ist ein Opioid und hat eine sehr ausgeprägte analgetische Wirkung bis zu 8 Stunden. Nach der Applikation dauert es 15 bis 30 Minuten bis zum Wirkungseintritt. Idealerweise sollte es schon 1 Stunde vor der Operation appliziert werden.

4. Neuroleptanalgesien
Bei der Neuroleptanalgesie wird ein Sedativum mit einem Analgetikum (Schmerzmittel), meistens ein Opioid, kombiniert. Dieser Zustand ist ausreichend für kleinere, wenig schmerzhafte Eingriffe. Allerdings befinden sich die Tiere in einem schlafähnlichen Zustand und sind sehr geräusch-empfindlich. Es kann unvermittelt, zum Beispiel wenn das Telefon klingelt, zu unkoordinierten Abwehr- und Fluchtbewegungen kommen. Im Gegensatz zur Narkose fehlt die Bewusstlosigkeit.
Die Neuroleptanalgesie wird auch als Prämedikation vor der Einleitung der Allgemeinnarkose eingesetzt.
Beispiele für Neuroleptanalgesien:
Acepromazin + L-Polamidon (Hund)
Xylazin + L-Polamidon (Hund)
Medetomidin + L-Polamidon (Hund)
Acepromazin + Buprenorphin
Neuroleptanalgesien können zu Herz-Kreislauf- und Atemdepressionen führen.

5. Applikation von Augensalben / -tropfen
Da während einer Narkose der Lidreflex herabgesetzt ist, die Lidspalte mehr oder weniger offen steht und die Hornhaut damit unzureichend mit Tränenflüssigkeit benetzt wird, sollten zum Schutz vor Austrocknung bereits bei der Prämedikation entsprechende Augentropfen oder Augensalben appliziert werden.

6. Venenkatheter und Infusion
Von großem Vorteil ist das Legen eines Venenkatheters. Medikamente und Infusionslösungen können jederzeit schnell appliziert werden. Dies gilt besonders im Hinblick auf mögliche Narkosezwischenfälle, wo es in Anbetracht der Hektik und Stresssituation einerseits und den typischerweise schlechten Kreislaufverhältnissen andererseits häufig sehr viel schwieriger ist, eine Vene zu finden.

Menge und Art der Infusionslösungen, die dem Patienten zugeführt werden, richten sich nach eventuell vorhandenen Grunderkrankungen, Art und Umfang der Operation sowie Verlauf der Aufwachphase und Rekonvaleszenz.
Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen und/oder Durchfall vor der Operation oder Flüssigkeitsverluste durch Ergüsse (zum Beispiel bei einem vorliegenden Aszites, Bauchwassersucht) während der Operation müssen entsprechend ausgeglichen werden. Bei massiven Blutverlusten kann eine Transfusion von Vollblut erforderlich werden. Bei Patienten, die vor und eventuell auch nach der Operation die Nahrungsaufnahme verweigern, müssen energiehaltige Lösungen infundiert werden.

Der Grundbedarf an Flüssigkeit bei komplikationslosen Eingriffen beträgt 5-10ml /kg Körpergewicht und Stunde während der Operation und Aufwachphase.

Geeignet für solche Routineeingriffe sind physiologische Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) oder Vollelektrolytlösungen wie zum Beispiel Ringer – Lactatlösung.

Selbstschutz - Tiere haben Angst und Schmerzen! Denken Sie an Selbstschutz!

Vorbereitung für Venenkatheter und Intubation

 

Rasur der Punktionsstelle

Stau der Vene und Desinfektion

 

Punktion der Vene

Vorsichtiges Vorschieben in das Gefäßlumen

 

Korrekter Sitz - Die transparente Kammer am Ende der Punktionsnadel füllt sich mit Blut. Stauschlinge lösen.

Stahlmandrin - Der Stahlmandrin wird zurückgezogen und in einer gesicherten Kanülenabwurfbox (Arbeitssicherheit!) entsorgt

 

Fixation mit vorbereiteten Klebestreifen

Kunststoffmandrin - Wird ein Zugang nicht benötigt, wird dieser durch einen passenden Kunststoffmandrin verschlossen. Der Mandrin füllt das Lumen des Katheters aus, so dass es nicht zu einer Blutgerin

 

Anschluss an die Infusion

AWB-2142148100