Im Vorfeld einer geplanten Operation:

Patientenaufnahme und Risikoeinschätzung

Jede Anästhesie sollte einerseits die individuellen Bedürfnisse des Patienten und andererseits den Umfang der Operation berücksichtigen.

Nicht nur, dass Katzen und Hunde völlig unterschiedlich auf die Verabreichung verschiedener Pharmaka ansprechen, auch spezielle Rassebedürfnisse müssen beachtet werden.

  • Kurzköpfige, so genannte brachycephale Rassen, wie Pekinesen oder Möpse neigen während einer Narkose zur Verlegung der Atemwege und sollten daher möglichst rasch nach der Einleitung der Narkose und immer intubiert werden.
  • Magere Tiere verstoffwechseln Anästhetika anders als adipöse Tiere, so dass nicht nur das absolute Körpergewicht sondern auch ein Hinweis auf Vorliegen einer Kachexie oder Adipositas vermerkt werden sollte.
  • Neugeborene und sehr junge Tiere können allgemein Medikamente schlechter abbauen als erwachsene Tiere, sie kühlen während einer Narkose schneller aus.
  • Bei älteren Patienten muss mit Grunderkrankungen wie eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion gerechnet werden.
  • Nervöse, hektische Tiere neigen eher zu Krämpfen, Winseln und Jaulen („Narkoseheuler“) während der Einleitung der Narkose und der Aufwachphase als ruhige, ausgeglichene Tiere.

Folgende Daten sollten daher für jeden Anästhesiepatienten (außer bei Notoperationen) dokumentiert werden:

  • Tierart
  • Rasse
  • Name des Patienten
  • Name und Anschrift des Besitzers mit Rufnummer
  • Alter
  • Gewicht
  • Angaben zum Allgemeinzustand (abgemagert, adipös, aufgeregt, apathisch)
  • Grunderkrankungen (zum Beispiel Epilepsie, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz)
  • Zum Zeitpunkt der Narkose gleichzeitig bestehende Erkrankungen (zum Beispiel Fieber, Erbrechen, Durchfall)
  • Vorbehandlungen mit Medikamenten
  • Körperinnentemperatur
  • Herz- /Pulsfrequenz
  • Atemfrequenz
  • Farbe der Schleimhäute

Bei älteren und Risikopatienten sind weitere diagnostische Maßnahmen wie Blutuntersuchungen, Röntgenuntersuchungen oder weiterführende Herzdiagnostik (EKG, Ultraschall, Blutdruck) angezeigt.

Aufgrund dieser Ergebnisse sowie Art und Umfang der bevorstehenden Operation sollte die Anästhesie individuell nach Art (Injektions- oder Inhalationsnarkose), Dosis und Kombination der Wirkstoffe ausgewählt werden und damit das Narkoserisiko so gering wie möglich gehalten werden.

Entzug von Futter und Wasser vor einer Operation entlastet das Magen- und Darm- sowie das Kreislaufsystem und verhindert Erbrechen und damit die Gefahr der Aspiration.

Große Hunde über 20 kg Körpergewicht sollten 12 Stunden vor der Narkose nicht mehr gefüttert werden und ca. 3 Stunden vorher kein Wasser mehr erhalten.

Katzen und kleinere Hunde sollten 8 Stunden vorher nicht mehr gefüttert und 2 Stunden vorher nicht mehr getränkt werden.

Tieren unter 2 kg Körpergewicht sollten Nahrung und Flüssigkeit nicht entzogen werden, da ansonsten während der Narkose die Gefahr der Unterzuckerung und Übersäuerung des Organismus groß ist.

Diese Empfehlung kann zusammen mit weiteren Hinweisen (zum Beispiel: Narkoserisiko, voraussichtlicher Ablauf am Operationstag, Hinweise auf Komplikationen und Verhalten nach der Operation, telefonische Erreichbarkeit) auf einem vorgefertigten „Merkzettel Narkose“ aufgeführt und dem Besitzer bei der Terminvereinbarung überreicht werden.

AWB-2142148100