Die Lokal- oder Regionalanästhesie

Die Lokal- oder Regionalanästhesie

Durch Auftragen oder Injektion so genannter Lokalanästhetika werden Nervenendigungen oder Nervenbahnen vorübergehend blockiert und dadurch in dem durch sie versorgten Gebiet eine vollständige Schmerzfreiheit und Sensibilitätsverlust gegenüber Hitze, Kälte und Berührungsreize erzielt. In einigen Fällen kommt es zusätzlich zu einem Mobilitätsverlust der betroffenen Region.
Lokal- und Regionalanästhesie kann je nach Umfang der Manipulation und Umgänglichkeit des Tieres als alleinige Schmerzausschaltung eingesetzt werden, bei aufgeregten Tieren mit einem Sedativum kombiniert werden oder als ein nebenwirkungsarmer Baustein im Rahmen der „Balancierten Anästhesie“ genutzt werden.

Man unterscheidet:

1. Oberflächenanästhesie:
Das Lokalanästhetikum wird als Salbe, Spray oder Tropfen auf die zu betäubende Oberfläche aufgetragen.
In der Kleintiermedizin wird die Oberflächenanästhesie zum Beispiel eingesetzt zur Betäubung der empfindlichen Hornhaut des Auges oder zur Betäubung des Rachenbereichs vor der Intubation bei der Katze.

2. Infiltrationsanästhesie:
Das Lokalanästhetikum wird durch mehrmaliges Injizieren kleiner Mengen in dem zu betäubenden Gewebe verteilt. Die Infiltrationsanästhesie wird verwendet zur Versorgung kleiner Wunden, zur Entfernung kleiner Tumore oder zur Entnahme von Gewebeproben (Biopsien).

3. Leitungsanästhesie:
Das Anästhetikum wird an einen Nervenstrang gespritzt und die Erregungsleitung damit an dieser Stelle blockiert.
Sie wird in der Kleintiermedizin eher selten eingesetzt, meistens bei der Amputation von Gliedmaßen als zusätzliche Analgesie zur Allgemeinnarkose.
In der Pferdemedizin wird sie zur Lahmheitsdiagnostik eingesetzt.

4. Epiduralanästhesie:
Das Lokalanästhetikum wird in den Epiduralraum des Rückenmarks verbracht und unterbricht hier die Weiterleitung des Schmerzreizes.
Die Punktionsstelle befindet sich im Lendenwirbelbereich in Höhe der Hüfthöcker. Die Injektion darf nur unter sterilen Bedingungen erfolgen, das heißt, die Injektionsstelle muss rasiert und desinfiziert sein.
Zur Epiduralanästhesie müssen die Patienten prämediziert sein. Die kleinste Bewegung bei der Punktion kann zu bleibenden Schäden führen!


Achtung!
In entzündetem Gewebe kann die Wirkung von Lokalanästhetika stark vermindert sein!

Zugelassene Wirkstoffe in der Tiermedizin sind: Procain, und Lidocain.

AWB-2142148100