Intubation

Intubation

Unter endotrachealer Intubation versteht man das Einbringen eines Tubus in die Luftröhre. Die Intubation dient nicht nur der Zufuhr von Narkosegas bei der Inhalationsanästhesie, sie gewährleistet freie Atemwege, schützt vor Aspiration und ermöglicht im Notfall eine schnelle Beatmung.

Entsprechend der unterschiedlichen Größen von Hunden und Katzen gibt es Endotrachealtuben mit unterschiedlichen Längen und unterschiedlichen Durchmessern. Sie sind oberhalb der Tubusspitze mit einem so genannten „Cuff“ versehen, einer aufblasbaren Manschette, die sich an die Luftröhre anlegt, den Tubus der Luftröhre gegenüber abdichtet und ein „Vorbeiatmen“ verhindert. So kann Narkosegas nicht in die Raumluft entweichen (Arbeitsschutz!).
Der Cuff ist über einen dünnen Schlauch mit dem so genannten „Pilotballon“ verbunden, über den jederzeit ersichtlich ist, ob der Cuff aufgeblasen, das heißt „geblockt“ ist. Er erlaubt auch eine ungefähre Abschätzung des Luftdruckes im Cuff. Es ist besonders wichtig, dass ein zu hoher Druck vermieden wird, da es dadurch zu einer Schädigung der Luftröhrenschleimhaut kommen kann.
Zum Verschluss des dünnen Cuffschlauches befindet sich an dessen Ende meist ein kleiner Stöpsel. In den seltensten Fällen erreicht man damit einen sicheren Verschluss. Die Folge: Luft entweicht schleichend aus dem Cuff, der Cuff entblockt sich nach und nach selbst.
Besser ist daher der Verschluss mit einer Schlauchklemme oder einer aufgesetzten Spritze.
Cuffs werden schnell undicht, daher ist es erforderlich, die Funktion vor jeder Intubation zu überprüfen.
Die in der Tiermedizin gebräuchlichsten Tuben bestehen aus rotem Latexgummi und sind wieder verwendbar. Endotrachealtuben aus PVC oder Silikon sind durchsichtig und haben den Vorteil, dass Verschmutzungen leichter erkannt werden. Allerdings sind sie auch teurer.

Bevor ein Patient intubiert wird, sollte die Anästhesie so tief sein, dass die Kaumuskulatur gut erschlafft ist, und der Fang damit leicht geöffnet werden kann.
Zur Intubation können die Tiere auf der Brust, dem Rücken oder auch auf die Seite gelagert werden. Bei der Bauchlagerung ist eine Hilfsperson erforderlich, die den Kopf des Patienten gerade nach vorne und oben hält.
Mit einem Maulspreizer, Maulkeil oder auch abgeschnittenen Spritzenzylindern wird die Mundhöhle geöffnet
Die Zunge wird mit einer Kompresse (besserer Halt) hervorgezogen und der Tubus möglichst unter Sichtkontrolle, am besten mit Hilfe eines Laryngoskopes, zwischen den Stimmbändern hindurch in die Luftröhre eingeführt. Bei besonders kleinen Tieren oder kurzköpfigen Hunderassen kann die Intubation eine echte Herausforderung sein!
Vorheriges Anfeuchten des Tubus mit Wasser erhöht die Gleitfähigkeit. Der Tubus muss so weit vorgeschoben werden, dass die Blockmanschette in der Luftröhre hinter dem Kehlkopf zu liegen kommt.
Bei Katzen sollte der Kehlkopf vor der Intubation lokal betäubt werden (danach einige Sekunden warten, bis die Betäubung wirkt!). Bei Verwendung von Sprays kann es schnell zu Überdosierung des Lokalanästhetikums und damit zu Nebenwirkungen kommen, daher empfiehlt sich der Einsatz besser dosierbarer Gele wie zum Beispiel Xylocain Gel.

Kontrolle auf korrekte Lage des Endotrachealtubus:
Liegt der Tubus korrekt in der Luftröhre oder fälschlicherweise in der Speiseröhre?
Bei Spontanatmung fühlt man (bei kleinen Tieren am besten mit der empfindlichen Augenpartie!) den Luftstrom bei der Ausatmung am Tubusende. Oder: beim Druck auf den Brustkorb entweicht Luft aus dem Tubus. Vorsicht: auch eine Kompression des Magens kann einen Luftstrom erzeugen!

Mit Hilfe einer 10 oder 20 ml Spritze wird der Cuff gebläht und der Tubus mit einer Mullbinde am Unter- oder Oberkiefer fixiert.
Der Tubus muss immer nach vorne zwischen den Fangzähnen aus dem Maul herausgeführt werden. Beim Herausführen im Bereich der Backenzähne besteht die Gefahr des Abklemmens oder sogar Abbeißens.
Vor der Entfernung des Tubus (Extubation) muss immer der Cuff entblockt werden!

Intubation ohne Laryngoskop

Intubation mit Laryngoskop

 

 

 

Prüfung auf korrekten Sitz des Tubus

Block des Cuff's

 

Fixation am Oberkiefer

Tuben werden in der Veterinärmedizin generell mehrfach verwendet. Zum Schutz vor Infektionen müssen sie nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt, desinfiziert und getrocknet oder, je nach Tubusart, autoklaviert werden.

Gefahren der Intubation:

  • Bei der Verwendung eines zu langen Tubus besteht die Gefahr, dass dieser zu weit bis in einen Stammbronchus eingeführt wird. Dadurch wird nur noch eine Lungenhälfte belüftet!
  • Das Tubuslumen ist mit Blut oder Schleim verstopft.
  • Der Tubus ist abgeknickt.
  • Das Tier ist intubiert aber nicht an das Narkosegerät angeschlossen: Abdecktücher, Tupfer, Lagerungskissen können die Tubusöffnung verlegen.
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