Das Inhalationsnarkosegerät - Aufbau, Funktion und Pflege

Das Inhalationsnarkosegerät - Aufbau, Funktion und Pflege

Inhalationsnarkosegerät (mit Atemmonitor)

Das in der Kleintierpraxis am häufigsten verwendete Inhalationsnarkosesystem ist das Kreissystem.
Grundprinzip dieses Systems ist:
Dem Patient wird Sauerstoff, Lachgas und Inhalationsanästhetikum zugeführt als Einatemgas.
Im Ausatemgas des Patienten befinden sich ebenfalls Sauerstoff, Lachgas und Inhalationsanästhetikum und zusätzlich CO2, Kohlendioxid.
Kohlendioxid ist schädlich und sollte nicht wieder eingeatmet werden. Es wird aus diesem Gasgemisch durch Bindung an den Absorberkalk im Atemkalkbehälter entfernt. Dem restlichen, verbliebenen Gas werden die fehlenden Komponenten zugesetzt und dem Patienten wieder zugeführt.

Ein- und Ausatemluft werden über Faltenschläuche dem Patienten zu- bzw. abgeführt.
Der Kreisfluss Einatem – Ausatemluft wird über Richtungsventile gesteuert. Mit dem so genannten Y- oder Winkelstück, ist der Patient über den Endotrachealtubus mit diesem Kreis verbunden.

Faltenschlauch

Y-Stück zur Verbindung des
Endotrachealtubus mit den
Narkoseschläuchen

Bei Spontanatmung des Patienten muss davon ausgegangen werden, dass die Menge des Einatemgases vom Patienten nicht vollständig verbraucht wird, und es dadurch nach und nach zu einem Druckanstieg im Kreissystem kommen würde. Um dies zu verhindern, befindet sich im System ein Überdruckventil, durch welches überschüssiges Gas abströmen kann.
Wichtig: das Überdruckventil muss bei Spontanatmung immer in geöffneter Stellung stehen!
(In verschlossener Stellung kann man die Dichtigkeit des Systems überprüfen. Sollte vor jeder Narkose geprüft werden!)

Atembeutel

Je nach Patientengröße ist das Atemzugvolumen sehr unterschiedlich und kann gerade bei größeren Hunden schnell die Luftmenge in den Narkoseschläuchen überschreiten. Als „Gasreservoir“ dient der Atembeutel, der auch bei Bedarf der aktiven Beatmung des Patienten (durch Zusammenpressen des Beutels) dienen kann. Entsprechend der unterschiedlichen Größe unserer Patienten gibt es auch verschieden große Atembeutel.

Bei den meisten Inhalationsgeräten stammen die Trägergase Lachgas (Euronorm-Farbe: blau) und Sauerstoff (Euronorm-Farbe: weiß) aus speziellen Gasflaschen, die jeweils mit einem Ventilverschluss versehen sind, der nur eine genormte Menge von Gas entweichen lässt. Über Manometer, die den jeweiligen Gasdruck in der Flasche anzeigen, werden sie mit dem Narkosegerät verbunden.
Der Gasdruck in der Sauerstoffflasche nimmt beim Verbrauch kontinuierlich ab, das heißt, die Druckangabe des Manometers korreliert mit der Sauerstoffmenge in der Flasche (volle Flasche = ca. 200 bar).
Das ist völlig anders beim Lachgas: Der angezeigte Druck (ca. 50 bar) ist bis zur vollständigen Entleerung immer gleich und fällt dann sehr rasch ab. Eine Kontrolle der Inhaltsmenge ist theoretisch durch Wiegen der Flasche möglich, im Praxisalltag aber zu aufwändig.

Wird die Lachgasflasche unerwartet während einer Narkose leer, muss sie entsprechend ausgewechselt werden oder das weitere Narkoseregime (entsprechend höhere Zufuhr von Inhalationsanästhetikum oder Injektionsanästhetika) geändert werden.
Die gewünschte Zufuhr von Sauerstoff und Lachgas wird mit Hilfe gläserner Gasflussmessröhren (Flowmeter) reguliert. (Wählt man zum Beispiel die Zufuhr von 1l /min Sauerstoff und 2l /min Lachgas, erreicht man eine Sauerstoffkonzentration von etwa 30%.)
Hat man nun mit Hilfe der Flowmeters die entsprechenden Sauerstoff- und Lachgasanteile eingestellt, wird das Gasgemisch über eine Leitung dem Verdampfer zugeführt, wo Isoflurane in entsprechender Menge zugemischt wird. Dieses Narkosegasgemisch wird nun dem Patienten als Einatemluft zugeführt.

Verdampfer für Isofluran

Verdampfer für Sevofluran

Überprüfung des Systems vor jeder Narkose:

  1. Sind die Gasflaschen (Sauerstoff und Lachgas) gefüllt und aufgedreht?
  2. Ist das Gerät funktionstüchtig zusammengebaut, entsprechen die Patientenschläuche und der Reservoirbeutel der Größe des Patienten?
  3. Ist für die Spontanatmung das Überdruckventil geöffnet?
  4. Ist genügend Narkotikum (Isofluran) im Verdampfer?
  5. Ist der Atemkalk o.k.? Verbrauchter Absorberkalk verfärbt sich blau. Achtung: Absorberkalk am besten immer nach einer Narkose überprüfen und bei Verbrauch auswechseln, denn die Blaufärbung, das Indiz für den Verbrauch, verschwindet, wenn der Kalk trocknet!!!
  6. Ist das System dicht? (Prüfung auf Dichtigkeit: Y- Stück mit Finger verschließen. Überdruckventil schließen. System mit Sauerstoff füllen bis der Reservoirbeutel prall gefüllt ist oder – wenn vorhanden – der Beatmungsdruckmesser einen Druck von etwa 40 mbar anzeigt. Prüfen ob Druck entweicht. Nicht vergessen nach der Dichtigkeitsprüfung sofort das Überdruckventil wieder öffnen!!! Am besten während der ganzen Zeit eine Hand am Überdruckventil lassen. Bleibt das Ventil geschlossen, besteht die Gefahr, dass sich Überdruck im System aufbaut und der Patient erstickt!)

 

AWB-2142148100