Anästhesiestadien

Anästhesiestadien

Klassisch wird die Narkose in 4 Anästhesiestadien unterteilt. Das ursprüngliche Schema stammt von Guedel (1951) und bezog sich auf die Äthernarkose des Menschen. Seitdem gibt es diverse Modifikationen.
Beurteilt werden Muskeltonus, Atemmuster, Reflexe, Bulbusstellung und Pupillengröße.
Nicht anwendbar ist dieses Beurteilungsschema bei Verwendung von Muskelrelaxantien und beim Einsatz von Ketamin.
Wie schnell die einzelnen Stadien durchlaufen werden ist individuell unterschiedlich und abhängig von der Anästhesiemethode und der Applikationsform.
Beispiel:
Narkosemittel wird i.m. appliziert: Wirkstoff flutet langsam an, die einzelnen Stadien sind gut differenzierbar.
Narkosemittel wird i.v. verabreicht: Wirkstoff flutet schnell an, die einzelnen Stadien werden schnell durchlaufen und sind teilweise nicht differenzierbar.

Anästhesiestadium I:

Wird auch als Stadium der psychischen Dämpfung bezeichnet.
In diesem Stadium sind die Tiere gedämpft, wenn sie einschlafen, sind sie weckbar und können gezielt reagieren.
Typisch sind der Vorfall der Nickhaut (bei der Katze ausgeprägter als beim Hund) und ein leichtes Hängen des Oberlides.
Das Schmerzempfinden ist nicht eingeschränkt.
Dieses Stadium wird durch die alleinige Applikation von zum Beispiel Acepromazin erzielt.

 

Anästhesiestadium II:

Wird auch Exzitationsstadium genannt.
Es handelt sich um ein Stadium der recht tiefen aber dennoch labilen Sedation. Das heißt, die Patienten können auf äußere Reize aber auch unwillkürlich plötzlich in einen Erregungszustand verfallen, der sich in Krämpfen, Um-sich-beißen, Schreien, Winseln und Fluchtreflexen äußern kann. Herzfrequenz und Blutdruck steigen demzufolge stark an.
Die Pupille ist weit gestellt.
Katzen und Zwerghunderassen neigen häufiger zu diesen Erregungszuständen.
Treten Erregungszustände auf, ist es am günstigsten, sehr schnell über einen bereits gelegten Venenkatheter ein Hypnotikum (zum Beispiel Propofol) zu verabreichen und damit das Anästhesiestadium III zu erreichen.
Das Anästhesiestadium II wird durch die Verabreichung von Benzodiazepinen, Xylazin und Medetomidin erzielt.

Anästhesiestadium III:

Wird auch Toleranzstadium genannt.
Unterteilt sich in 3 (bei manchen Autoren 4) weitere Stufen:
III 1: Hypnosestadium
Die Patienten sind bewusstlos und reagieren nicht auf Umweltreize wie Geräusche oder Licht. Der Bulbus rotiert, der Nickhautvorfall verstärkt sich. Die Pupillen sind eng gestellt, die Beurteilung aber auf Grund des weg gedrehten Bulbus und des Nickhautvorfalls schwierig.
Lid- und Kornealreflex sind noch auslösbar.
Die Atmung ist regelmäßig, ruhig und tief. Herzfrequenz und Blutdruck nehmen leicht ab. Schmerzreize werden noch registriert: Herzfrequenz und Blutdruck steigen bei Schmerzreizen an.
III 2: Chirurgisches Toleranzstadium
Dieses Stadium ist das Idealstadium für schmerzhafte Manipulationen. Schmerzreize lösen keine Reaktionen mehr aus.
Gegen Ende dieses Stadiums verschwinden Lid- und Kornealreflex.

III 3: Stadium der physischen Depression
Hier kommt es zu einer massiven Depression von Atmung und Kreislauf. Die Atmung ist sehr flach. Der Blutdruck fällt ab. Der Körper versucht dies mit einer Erhöhung der Herzfrequenz zu kompensieren.
Der Bulbus starr zentral gestellt, die Pupillen weit. Der Pupillarreflex ist sehr langsam.
Die Anästhesie muss dringend abgeflacht werden!!

Anästhesiestadium IV:

Wird auch Asphyxiestadium genannt.
Häufig kommt es zunächst zur Schnappatmung und schließlich zum Atemstillstand mit völliger Reflexlosigkeit.
Der Puls ist schwach oder nicht mehr fühlbar, die Herzaktion stark verlangsamt und arrhythmisch.
Die sofortige Reanimation ist erforderlich!

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