... beim operierten Tier

... beim operierten Tier

Gerade in der Intensivmedizin spielt die Schmerzbekämpfung eine wichtige Rolle. Ein Gebiet, das mehr Aufmerksamkeit als bisher verdient, ist die perioperative Schmerzbekämpfung, das heißt, die Schmerzbekämpfung vor, während und nach einer Operation.

Jeder chirurgische Eingriff verursacht Gewebeschädigungen, damit Reizung von Nozizeptoren und demzufolge Schmerzen. Intensität und Dauer sind individuell unterschiedlich und natürlich abhängig von der Art des chirurgischen Eingriffs und der Schmerzempfindung in bestimmten OP-Regionen.

Weichteiloperationen und Eingriffe im Bauchbereich sind zum Beispiel weniger schmerzhaft, als Operationen im Bereich des Kopfes, der Gelenke oder die Versorgung von Frakturen.

Schmerz bedeutet Stress für den Organismus.

Langanhaltender Schmerz beeinträchtigt den Körperstoffwechsel und setzt die körpereigene Abwehr herab. Dies bedeutet für den Intensivpatienten Gefahr von Sepsis und mangelhafte Wundheilung. Tiere, die sich unwohl fühlen, verweigern die Nahrungsaufnahme, es kommt zum Gewichtsverlust.

Postoperative Schmerzen können die Rekonvaleszenzzeit (= Zeit bis zur Genesung) verlängern.
Schmerztherapie in der Chirurgie wurde in der Vergangenheit häufig unter dem Vorwand: „Ein paar Schmerzen sind ganz gut, dann verhält sich das Tier auch ruhig und schont sich“, oder auch aus Unwissenheit – Tiere können dem Menschen gegenüber ihre Schmerzen nun mal nicht verbal äußern – sträflich vernachlässigt. (Einer Studie von 1999 zufolge werden nur 71% der Hunde und 56% der Katzen nach einer Operation (Bauchhöhleneingriff) mit Schmerzmitteln versorgt.)

Dabei muss angenommen werden, dass bei höheren Säugetieren das Schmerzempfinden ähnlich ausgeprägt ist wie beim Menschen. Entsprechend sollte daher in allen Fällen, in denen der Mensch mit Analgetika versorgt wird, auch das Tier Schmerzmittel erhalten, so genannte „Analogieregel“.
Aus dieser Erkenntnis gewinnt das Schmerzmanagement des Intensivpatienten in der Veterinärmedizin immer mehr an Bedeutung.

Operation = Gewebetrauma = Schmerz

  • Präoperative Analgesie: Fortschrittliches Denken in der Intensivmedizin

 

Idealerweise sollten Analgetika (Opioide oder NSAID's) bereits vor Beginn einer Operation verabreicht werden, so dass die Entstehung von Schmerzen schon im Vorfeld verhindert werden.

Dieses Vorgehen

  • reduziert auch den Verbrauch von Anästhetika während der Operation (Balancierte Analgesie / Balancierte Anästhesie!),
  • es erleichtert dem Patienten die postoperative Phase.
  • Die Aufwachphase verläuft ruhiger.
  • Die Tiere reagieren weniger ängstlich, zeigen weniger Schmerzäußerungen und fühlen sich insgesamt wohler.

NSAID's dürfen aufgrund potentieller Nebenwirkungen in Stresssituationen nur bei jungen, gesunden Tieren eingesetzt werden. Bei älteren, schwachen Tieren oder Tieren mit Stoffwechselerkrankungen oder Organerkrankungen sollten sie nur vorsichtig oder besser gar nicht zum Einsatz kommen. Dies gilt insbesondere für Tiere mit Leber- und / oder Nierenerkrankungen, Tiere mit Blutungsneigung, Tiere mit Magen – Darm- Erkrankungen und Tiere, die mit Glukokortikoiden vorbehandelt sind.

In diesen Fällen ist der Einsatz von Opioiden zur Schmerzbehandlung angezeigt. In korrekter Dosierung haben sie nur selten Nebenwirkungen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Wirkungsdauer der verschiedenen Präparate sehr unterschiedlich ist, und das individuelle Ansprechen jedes einzelnen Tieres verschieden ist. Die Frequenz der Verabreichung und die Dosis muss dementsprechend angepasst werden.

  • Analgetika bei Intensivpatienten:
  • Opiode: schneller Wirkungseintritt, starke analgetische Wirkung, je nach Präparat sedierende Wirkung
  • NSAID's: Risiko der Nebenwirkungen muss vor dem Einsatz abgeklärt werden.
  • Lokalanästhetika: Schmerzblockade in der Körperperipherie

Ein wesentlicher, nicht zu vernachlässigender Beitrag zur Analgesie nach einer Operation ist die fürsorgliche Behandlung des Patienten. Dies beginnt bereits mit einer möglichst stressfreien Narkoseeinleitung und der sorgsamen Lagerung auf dem OP-Tisch auf einer gepolsterten Unterlage. Auch die Aufwachbox sollte soweit möglich „Wohlfühlcharakter“ haben: ruhig, sauber und bequem, je nach Bedarf mit einer Wärmequelle ausgestattet.

Die anschließende liebevolle, ruhige und behutsame Versorgung des Patienten entschärft für die meisten die extreme Stresssituation, in denen sie sich nach der Operation zwangsläufig befinden. Jeder Stresszustand verstärkt die Schmerzempfindung und sollte daher – wenn möglich – vermieden werden.

Je nach Eingriff ist die Verabreichung von Analgetika für durchschnittlich 1- 8 Tage nach der Operation erforderlich.

AWB-2142148100