Schmerz bei Tieren erkennen

Den Schmerz bei Tieren erkennen

„Es gibt nur einen Schmerz, der leicht zu ertragen ist, das ist der von anderen“. Rene Leriche, 1944 (franz. Chirurg).

Schmerzen empfindet jeder Mensch und jedes Tier unterschiedlich. Jedes Individuum reagiert auf den gleichen Reiz anders. Auch Angst und Bewusstseinszustand spielen eine wichtige Rolle. Schmerzen sind immer subjektiv!

Ein besonderes Problem in der Tiermedizin: Tiere können sich nicht mitteilen, das Tier kann nicht befragt werden.

Die Schmerzerkennung und die Schmerzbeurteilung sind daher häufig schwierig und setzen gute Kenntnisse des tierartspezifischen und des individuellen Verhaltens voraus. Das individuelle Verhalten kann häufig nur der Tierbesitzer selbst beurteilen.

Verhaltensveränderungen bei Tieren sind zur Beurteilung des Schweregrades eines Schmerzzustandes sehr wichtig.
Nachfolgend einige Beispiele für tierartspezifische Verhaltensmuster bei Schmerzzuständen:

Schmerzsymptomatik Katze:

  • Zurückziehen, Verstecken, Flucht
  • Apathie, verminderte Körperpflege
  • Gekrümmte Brust-Bauch-Lage, Kauerstellung
  • Aggression
  • Schreien, Fauchen, Knurren, kehliges Heulen, helles Schreien
  • Belecken schmerzender Körperpartien
  • Gesträubtes Fell (Sympathikus-bedingte Piloerektion)
  • Gesteigerte Pulsfrequenz, erweiterte Pupillen

Schmerzsymptomatik Hund:

  • Zurückziehen, Verstecken, Flucht
  • Apathie
  • Kauerstellung, aufgezogener Bauch, Seitenlage, Kopftiefhaltung
  • Aggression
  • Winseln, Heulen
  • Zittern
  • Belecken schmerzender Körperpartien
  • Gesträubtes Fell (Sympathikus-bedingte Piloerektion)

Schmerzfragebogen

Die Beurteilung und Dokumentation der Schmerzstärke ist wichtig im Hinblick auf die Wahl des geeigneten Analgetikums. Das Schmerzmittel muss der Schmerzstärke angepasst sein und bei längerem Krankheitsverlauf auch immer wieder neu angepasst werden.
Hilfreich kann die Erstellung eines Schmerzfragebogens sein, der folgende Parameter beinhaltet:

  • Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck
  • Lautäußerungen
  • Verhalten, Unruhe, Körperhaltung
  • Palpationsschmerz
  • Lahmheit
  • Mimik, Speicheln, Pupille,
  • Futteraufnahme, Gewicht
  • Benagen von Körperteilen
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