Welpenentwicklung

Welpenentwicklung

Neonatale Phase (Geburt bis 2. Lebenswoche)

Die Welpen werden taub und blind geboren. Sie können Schreie ausstoßen, wenn sie sich im Distress befinden und können sich zu Wärmequellen kriechend und rudernd hinbewegen, da sie noch keine eigene Thermoregulation besitzen. Geschmacks- und Tastsinn sind gering ausgebildet, so dass sie die Zitzen finden können. Jedes Kitten hat dabei eine bevorzugte Zitze, die es durch einen individuellen Geruchscocktail ausfindig machen kann. Die Ausscheidungen erfolgen über die Stimulation der Mutter. Nach 7 Tagen öffnet sich der Ohrkanal, nach 10 Tagen die Augen und mit 14 Tagen brechen die Milchzähne durch. Die Ausscheidung von Kot und Urin findet nur mithilfe aktiver Stimulation von Seiten der Mutter statt.

Transitionale Phase (2. bis Ende 3. Lebenswoche)

In dieser Zeit erlangen die Welpen zunehmend mehr Selbständigkeit. Sie können das Nest verlassen und sich zunehmend koordinierter fortbewegen. Am Ende der 3. Lebenswoche sind die Milchzähne komplett durchgebrochen. Die Kitten können nun feste Nahrung aufnehmen, was zunächst jedoch überwiegend spielerisch erfolgt. Die eigentliche Entwöhnung findet erst später statt. Auch die Thermoregulation ist schon verbessert, komplett ausgebildet ist sie jedoch erst mit dem Ende der siebten Lebenswoche.

Sozialisationsphase (bis Ende 7. Lebenswoche)

Diese Phase ist gegenüber den Hunden deutlich verkürzt. Ab der 4. Lebenswoche verlassen die Welpen verstärkt das Nest, ihr Ausscheidungsuntergrund wird geprägt, ebenso wie die Futtervorlieben, die vom Speiseplan der Mutter abhängig sind. Sobald das komplette Abstillen erfolgt ist (je nach Milchangebot der Mutter zwischen der 5. – 7. Lebenswoche), entwickelt sich das Jagdverhalten, welches zwar angeboren ist, aber geübt werden muss. Dabei spielt der Zeitpunkt des Abstillens eine größere Rolle. Je eher ein Kätzchen abgestillt wird, desto eher und intensiver wird es später Jagdverhalten zeigen. In der Regel sind solche Kätzchen später auch die erfolgreicheren Jäger, allerdings gibt es natürlich auch hier diverse Ausnahmen.

Ein stabiles Verhältnis zum Muttertier und den Geschwistern bewirkt eine spätere positive Einstellung gegenüber allem Neuen. Die Reize, die jetzt stressfrei erlebt werden, werden als „Geborgenheitsreize“ gespeichert, je mehr dieser vertrauten Reize die Kitten im neuen Zuhause wieder vorfinden, desto einfacher fällt ihnen die Eingewöhnung. Spiele untereinander verbessern die Koordinationsfähigkeiten und das Sozialverhalten. Katzen, die in dieser Zeit umsichtig gefördert werden, entwickeln sich schneller und besser. So sollten die Kätzchen bis zum Ende der 7. Lebenswoche im Idealfall verschiedene Menschen, ggf. auch andere Tiere stressfrei kennenlernen. Eine Studie hat gezeigt, dass Katzen, die ab der 3. Lebenswoche täglichen Kontakt zu verschiedenen Menschen hatten, deutlich schneller, intensiver und bereitwilliger Sozialkontakt zu Menschen aufnehmen. Deswegen ist die Vermittlung von Bauernhofkätzchen, die irgendwo versteckt in einer Scheune aufgewachsen sind, als Hauskatzen nicht unbedingt als ideal anzusehen. Katzen können sich an alle Species gewöhnen, aber die Gewöhnung an andere Katzen fällt ihnen am leichtesten.

Ab der 5. Lebenswoche lernen die Kätzchen auch sehr viel von ihren Geschwistern, besonders die richtige Art zu spielen. Einzelkätzchen und besonders Handaufzuchten zeigen zum Teil ein extrem aggressives und ungehemmtes Spielverhalten. Einige Handaufzuchten entwickeln sogar eine überzogene Anhänglichkeit an ihren Menschen und können nicht vergesellschaftet werden.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die kurze soziale Phase optimal zur Sozialisation und Habituation genutzt werden sollte und die Basis für das spätere Allgemeinverhalten darstellt, welches auch nur noch unwesentlich beeinflusst werden kann. Als Sozialisation bezeichnet man die Entwicklungsprozesse, die zur Kommunikation und dem sozialen Zusammenleben eines Individuums in seiner Art oder auch anderen Arten, mit denen es zu tun haben wird, benötigt werden. Bei Katzen spielt hier die Sozialisation an Menschen eine besondere Rolle, vor allem, wenn man reine Wohnungskatzen halten will. Die Habituation ist die Gewöhnung an die unbelebte Umwelt.

Juvenile Phase (7. Lebenswoche bis zur Pubertät)

In dieser Zeit kann sich die Bindung an den Menschen verfestigen oder das Verhalten kann durch negative Erfahrungen dramatisch verändert werden.

Geschlechtsreife (7. Bis 9. Lebensmonat)

Mit Beginn der Geschlechtsreife sind die Katzen erwachsen und zeigen, anders als bei verschiedenen Hunderassen, eine relativ gefestigte Persönlichkeit. Man unterscheidet je nach genetischer Herkunft, den Aufzuchtsbedingungen und den weiteren Lebensumständen 3 Persönlichkeitsstrukturen:

  • Soziale, selbstbewusste, vertrauensvolle Tiere
  • Scheue, nervöse Tiere
  • Aggressive, aktive

Ausnahmen bilden die Auswirkung einschneidender Erlebnisse, wie eine schwere Krankheit oder drastisch geänderte Lebensumstände.

Aus diesen Entwicklungsphasen ergeben sich einige praktische Gedanken zur Katzenwelpenaufzucht:

  • Katzenwelpen sollten ab einem Lebensalter von 2 Wochen regelmäßig angefasst und angesprochen werden.
  • Es sollten verschiedene Personen dieses Handling durchführenBei der Kontaktaufnahme sollten immer das Muttertier und die Geschwister dabei sein.
  • Ab der 5. Lebenswoche sollten Katzen auch Fremdenkontakt habenKatzenwelpen sollten viele Umweltreize kennenlernen.
  • Jungkatzen, die beim neuen Besitzer zu zweit gehalten werden, zeigen eine geringere Bindungsneigung zum Menschen. Hier muss man sich individuell mit jedem Tier beschäftigen.
  • Züchter sollten bei der Auswahl der Zuchtpartner auf deren Charaktereigenschaften achten.
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