Tierarztpraxis

Das Handling von Katzen in der Tierarztpraxis / die katzenfreundliche Praxis

Katzen sind keine kleinen Hunde! Hunde sind es eher gewöhnt, ihre Besitzer an verschiedene Orte zu begleiten. Für Katzen gilt das in den seltensten Fällen. Katzen sind sowohl Jäger als auch Gejagte, so dass sie von Natur aus vorsichtiger sind. Für die meisten Katzen bedeutet jeder Tierarztbesuch massiven Stress.

Folgen von Stress und Angst:

  • Sofort: Pupillenerweiterung, Tachykardie, Temperaturerhöhung, Blutdruckerhöhung
  • Nach wenigen Minuten: Cortisolausschüttung, Blutzuckeranstieg, Leukozytose, Lymphopenie

Die häufigsten Gründe von Aggressionen bei Katzen sind Angst, Schmerz, sowie Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse).

Was kann man dagegen tun?

Mit dem Ziel, dass die medizinische Versorgung von Katzen verbessert wird, haben Royal Canin und der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) die Initiative „Service PLUS für Katzen“ ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative werden Tierarztpraxen zertifiziert, die verbesserte Bedingungen für Katzen schaffen und einen besonderen Service für Katzenhalter zu bieten. Erfüllt eine Praxis wesentliche Kriterien, erhält sie die Anerkennung „Service PLUS für Katzen“.

  • Kittentreffen in der Praxis; die Besitzer sollten ermutigt werden, mit ihren Katzen die Praxis zu besuchen, ohne dass eine Manipulation der Katzen vorgenommen wird. Die Tiere sollen sich nur mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen.
  • Medical Training: Katzenbesitzer sollten angeleitet werden, einige Manipulationen an ihren Tieren zu üben und positiv zu verstärken, so dass eine Untersuchung und Behandlung für die Tiere weniger Stress bedeutet. Gut geeignet dafür ist das Clickertraining oder einfach der Einsatz von besonders schmackhaften Leckerchen, gerne in Pastenform. Diese Angebote können gut von TFA übernommen werden.
  • Bereitstellen von Informationen (selbstgestaltete Flyer etc.) für die Besitzer. So soll man auf jeden Fall darauf hinweisen, dass der Stress für die Katzen bereits zuhause beginnt, wenn sie den Transportkorb sehen, der sie einmal im Jahr zum Tierarzt bringt. Dieser Korb/ Box sollte zur Normalität werden, die Katze soll sich darin wohlfühlen. Welcher Korb ist geeignet? Weidenkörbe sind für die Katzen sicher am schönsten, haben aber den großen Nachteil, dass man wenig Chancen hat, die Katze stressfrei dort heraus zu bekommen. Auch die Hygiene ist bei diesen Körben schwer zu gewährleisten. Keine Katze betritt freiwillig einen Korb, der für sie unangenehm riecht.

Stressvermeidung bei der Anmeldung/ im Wartezimmer:

  • Terminsprechstunde (kurze Wartezeiten)
  • Katzen- / Hundewartezimmer
  • Hunden auf keinen Fall die Möglichkeit geben, an den Katzenkörben zu schnüffeln
  • Raumteiler im Wartezimmer
  • Katzensprechstunde
  • Erhöhte Plätze für Katzenkörbe (Nie auf den Fußboden stellen!)
  • Decke zum Abdecken des Katzenkorbes

Stressreduktion in der Behandlung:

  • Ungestörte Behandlung:
    • Keine klingelnden Telefone, keine Störungen
    • Kein Desinfektionsmittelgeruch
    • Evtl. Pheromoneinsatz (Feliway)
    • Behandlungstisch mit angenehmer Oberfläche, Gummimatte, Handtuch, Decke, Weidenkorb( bei Infusionen)
    • Anamnesegespräch mit den Besitzern: dabei Korb auf, niemals nach der Katze greifen, sondern dem Tier genug Zeit geben, von sich aus den Korb zu verlassen.
 
  • Evtl. Leckerlies
  • Weiche Decke zum Verstecken (evtl. 2 Spritzer Feliway, zunächst Decke auf den Korb im Wartezimmer, dann auf dem Tisch
  • Körperkontakt
  • Ruhiges Sprechen
  • Bewegungen ruhig und fließend (evtl. Augen langsam schließen und öffnen)
  • Von hinten/ nicht frontal untersuchen
  • Streicheln, Massage, Akupunktur (TTouch, zwischen den Ohren)
  • Evtl. Pheromone (Felifriend)
  • Keine hektischen Bewegungen, keine lauten Geräusche!
  • Evtl. reiner Behandlungsraum für Katzen: Waage auf dem Behandlungstisch (Babywaage)
  • Zeit und Ruhe!!!!!!!

Blutproben etc.:

  • Zeit, damit sich die Katze an die Situation gewöhnen kann
  • Ruhige Bewegungen
  • Körperkontakt, Höhlenbildung
  • Kreisende Massage der Stirn oder auch TTouches an den Ohren
  • Stauung der Vene digital oder mit kleinem Stauschlauch extra für Katzen
  • Mit Desinfektionsmittel sparsam umgehen bzw. auf Tupfer und dann auf die Vene
  • Lieber eine kurze Sedation wählen an Stelle von Zwangsmaßnahmen
  • Keine Clipnosis (Nackengriff ist für erwachsene Katzen eine Todesdrohung!)
  • Kein Quetschkorb
    Alternative: Decke, dicke Handschuhe, vorne Ablenken, hinten stechen
  • Schermaschine: die kleine, leise „Isis“ der Fa. Aeskulap

 

Stressvermeidung in der stationären Unterbringung:

  • Vor und nach der Op
  • Ruhe, keine Hektik
  • Angstauslösende Faktoren vermeiden
  • Schutz und Geborgenheit bieten
  • Wichtig: panische/ laute Katzen müssen isoliert werden, damit sich dies nicht auf die anderen überträgt

Stationäre Unterbringung

  • Getrennte Katzen- und Hundestationen
  • Keine Katzenkäfige in Bodenhöhe
  • Kein Blickkontakt zwischen den einzelnen Patienten
  • Isolierung von „lauten“ Patienten
  • Einsatz von Pheromonen
  • Lärmvermeidung
  • Körnerkissen oder ähnliche Wärmequelle (Post-, intra- OP!!!): 27 – 36° Umgebungstemperatur am liebsten für Katzen
  • Ausreichende Schmerzstillung
  • Ideale Box: mind. ½ m² Fläche: ausreichend Platz für Klo, Futterplatz, bequeme Liegefläche mit Decke oder eigenem Katzenkorb
  • Die Box sollte mit Decken zugehängt sein

Fütterung/ Pflege:

  • Die Pflege sollte nur durch Fachpersonal mit einer besonderen Affinität für Katzen erfolgen
  • Individuelle Pflege und Zuwendung
  • EinfühlungsvermögenRuhe, Geduld, Streicheln
  • Gute Beobachtung
  • Fütterung aus der Hand (oft Überredung notwendig)
  • Schmerzeinschätzung und –ausschaltung (Schmerzgesicht, Körperhaltung)

Verhalten der Katze bei Schmerzen:

  • Inappetenz
  • Zurückziehen!, Verstecken!
  • Ruhiges Allgemeinbefinden
  • Kauerstellung
  • Verstecken des schmerzenden Körperteils
  • Schlechte Fellpflege
  • Bei Berührung: Tachykardie, da Katzen sich nicht anfassen lassen mögen

Tipps und Tricks:

  • Stress zuhause: Mehrkatzenhaushalt, Einrichtung, Umzug, Renovierung, Revierprobleme, neue Familienmitglieder, chronische Schmerzen (oft Krankheiten, z.B. FIC/ Feline idiopathische Cystitis)
  • Transportkörbe verwenden, die oben und leicht zu öffnen sind mit kleinen Sehschlitze, leicht zu reinigen
  • Feliway transport zur Vorbereitung des Korbes
  • Mehrere weiche Decken im Korb zum Verstecken, eine zum Abdecken.
  • Katzen aus Mehrkatzenhaushalt müssen nach dem Tierarztbesuch behutsam wieder integriert werden: evtl. Katze aus dem Korb, Partnerkatze rein: Geruchsvermischung
  • Man kann/ sollte Katzen an Autofahren gewöhnen.

Medikation:

  • Medikamente, die gerne von Katzen genommen werden, z.B. Metacam
  • Suspensionen können nicht nur besser eingegeben werden, sondern sind auch genauer zu dosieren
  • Tabletteneingabe vorführen
  • Education oft the owner
  • Flyer (BPT, Smile, Industrie) gezielt überreichen
  • Selbstgemachte Flyer
  • Hinweise auf Internetseiten/ Links
  • Eigene HP mit Links

Buchempfehlungen

  • AAFP/ American Associatian of Feline Practioners und ISFM/ International Society of Feline Medicine Leitlinien über die Bedürfnisse von Katzen an ihre Umwelt
AWB-2142148100