Sinnesleistungen

Die Sinnesleistungen der Katze

Manche Sinnesleistungen der Katze sind so außergewöhnlich, dass ihnen manchmal „übernatürliche“ Fähigkeiten zugeschrieben werden, andere Sinne wiederum liegen im Normalbereich der Säugetiere.

Auch hier gilt es wieder zu bedenken, dass die Domestikation noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Katzen haben heute grundsätzlich noch dieselben Sinne wie die Wildkatzen. Einzelne Einschränkungen im Bereich der Rassekatzen (z.B. Verkleinerung der Nase bei Persern, Faltohren bei Scottish Fold) liegen jedoch bereits vor.

Tastsinn

Der Kopf- und Pfotenbereich ist besonders sensibel. Die haarlose Nasenspitze registriert Wärme und Kälte. Die Temperaturrezeptoren des übrigen Körpers reagieren eher langsam, weshalb es auch häufig zu Verbrennungen kommen kann. Die steifen Schnurrhaare (= Vibrissae) sind besonders wichtig zur Erkundung der näheren Umgebung. In der Dunkelheit helfen sie bei der Erkennung von Objekten, in dem sie sich nach vorne auffächern lassen. Separate Büschel über den Augen lösen bei Berührung den Schließreflex aus, so dass die Augen geschützt werden.

Die Pfotenballen werden besonders zur Untersuchung der Größe, Form und Oberfläche eines Objekts eingesetzt. Sie geben auch Informationen über die Körperstellung der Katze. Auch an den Krallen gibt es Nervenenden, die der Katze mitteilen, wie weit diese ausgefahren sind und auf wieviel Widerstand sie treffen. Die hohe Rezeptordichte an den Pfoten erklärt, warum Katzen nicht gerne dort berührt werden.

Gehörsinn

Die Hörfähigkeit der Katzen übertrifft bei weitem die des Menschen und teilweise auch die des Hundes. Ihr Frequenzspektrum ist um einiges höher (elf Oktaven) und auch die Fähigkeit, Geräuschquellen zu lokalisieren, ist sehr ausgeprägt. Dies wird ermöglicht durch die Stehohren, die sich unabhängig voneinander bewegen lassen und gewährleistet Katzen die sichere Fortbewegung in der Dunkelheit.

Sehvermögen

Die Sehfähigkeit entspricht dem der nachtaktiven Jäger. Die Augen sind sehr groß, der Sehwinkel vor allem nach vorn gerichtet und die Augen sind extrem lichtempfindlich. Die Pupille kann sich bei Dunkelheit enorm weiten, das Tapetum lucidum (eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut) erhöht nochmals die Effizienz der Katzen, im Dunkeln zu sehen. Tagsüber haben Katzen jedoch den Nachteil, dass sie keine Details mehr erkennen können. Ebenso ist das Farbsehen nicht so umfangreich wie beim Menschen.

Geruchs- und Geschmackssinn

Gerüche spielen bei Katzen eine sehr große Rolle. Alles, auch das Futter, wird zunächst einmal beschnuppert und probiert, erst dann wird gefressen. Katzen besitzen ein weiteres Organ, welches funktionell zwischen Geruchs- und Geschmacksaufnahme liegt, das Jacobsonsche Organ. Es liegt unterhalb der Nase und hat eine Öffnung zur Mundhöhle. Man kann bei der Reizaufnahme das sogenannte Flehmen beobachten. Hierbei werden bei hochgezogener Oberlippe Duftsignale „eingesogen“. Aus diesem Grund spielen Duftstoffe, sogenannte Pheromone, die von Duftdrüsen am Kopf, unter dem Kinn, am Schwanzbereich, an den Pfoten und im Analbereich abgesondert werden, eine wichtige Rolle zur Findung von Sexualpartnern und der Reviermarkierung. Das sogenannte „Köpfchengeben“ ist sowohl eine Form der Objektmarkierung als auch das Zeigen soziopositiver, freundlicher Absichten. Das Markieren durch Kratzen und das Urinmarkieren dienen vor allem zur Territorialabgrenzung.

Manche Katzen haben eine ausgeprägte Reaktion auf Katzenminze, die in vielen Spielzeugen als Füllung dient. Die Katzen haben scheinbar ekstatische Anfälle, die einige Minuten andauern.

Katzen sind absolute Karnivore (Fleischfresser)

Die Geschmacksnerven für Süßes sind bei Katzen deutlich anders entwickelt als bei uns. Sie können keine Zuckerarten schmecken, dafür aber schmecken, wie „süß“ Fleischsorten schmecken, was zu bestimmten Vorlieben führt. Wenn Geruchs- und Geschmackswahrnehmung bei Katzen eingeschränkt sind, stellen sie auch meist das Fressen ein.

Vokalisation

Katzen verfügen über ein umfangreiches stimmliches Repertoire, mit dem sie ihre Stimmungen ausdrücken können, wobei einige Rasseunterschiede erkennbar sind. Siamesen sind im Gegensatz zu Persern ausgesprochen „gesprächig“.

  • Miauen – ab der 6. Lebenswoche, um Aufmerksamkeit zu erlangen, Katzen legen sich im Laufe ihres Lebens ein regelrechtes Repertoire an Miau – Lauten an, je nachdem, welche Wirkung sie erzielen wollen (und je nachdem, welche Erfahrungen sie mit den einzelnen Lauten gemacht haben)
  • Schnurren – Äußerung von Wohlbefinden, aber auch zur (Selbst-)Beruhigung, in der Praxis begegnet man oft schnurrenden Katzen, die sich offensichtlich nicht wohlfühlen oder sogar schwer krank sind
  • Jaulen – in der Paarungszeit intensiv hörbar
  • Schreien – Angstäußerung, oft bei kämpfenden Katzen zu hören
  • Fauchen, Spucken – DrohenKnurren – Drohlaut
  • Schnattern – Äußerung bei Beutesichtung
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