Fachbegriffe

Fachbegriffe in der Verhaltenskunde und Verhaltenstherapie

Bei der Beschreibung von Verhalten und nachher auch in der Verhaltenstherapie verwendet man einige spezielle Fachbegriffe, deren Bedeutung klar sein sollte:

Reflex und Konditionierung

Der Reflex ist die automatisch ablaufende Reaktion eines Organs auf einen Sinnesreiz (z.B. Pupillarreflex). Wird bei einem bedingten Reflex zeitgleich mit einem natürlichen Reiz ein künstlicher Reiz gesetzt, so kann durch ständige Wiederholungen der Reflex später dann nur durch den künstlichen Reiz allein ausgelöst werden (z. B. Pawlow Hund). Diesen Lernvorgang nennt man klassische Konditionierung.

Ambivalentes Verhalten

Wenn 2 Verhaltensweisen sich gegenseitig blockieren, kommt es bei dem Tier zu einem Konflikt. Diesen kann das Tier unterschiedlich lösen. Es zeigt abwechselnd 2 unterschiedliche = ambivalente Verhaltensweisen (eine Katze wird bedroht und beginnt ein intensives Putzverhalten) oder es zeigt eine Umorientierung.

Umorientierung

Hierbei wird die Verhaltensweise auf ein anderes Objekt umgeleitet (z. B. fällt eine Wohnungskatze ihren Besitzer an, da sie sich nicht an den ranghöheren Kampfpartner herantraut)

Übersprunghandlung

Hierbei werden Verhaltensweisen gezeigt, die aus anderen Funktionskreisen kommen und eigentlich nicht zur Situation passen.

Leerlaufhandlung

Hier läuft eine Verhaltensweise ohne Bezug zu einem Reiz ab. Sie sind Folge einer extrem gesenkten Reizschwelle. (z.B. scheinbares Jagen ohne Beuteobjekt)

Handlungskette

Ein Verhalten ist der Auslöser für ein anderes, direkt im Anschluss erfolgendes Verhalten (z.B. schnüffeln – Urin absetzen –scharren beim Ausscheidungsverhalten)

Sozialisation

Hier steht ein bestimmtes Zeitfenster zur Verfügung und die Tiere lernen ihr Verhaltensmuster durch verschiedene Signalreize. Dabei ist das Ergebnis bei den Individuen unterschiedlich, da das Angebot der verschiedenen Reize, wie unterschiedliche Menschen, Fahrzeuge, Haushaltsgeräte, Orte sehr variabel ist.

Nicht- assoziatives Lernen

Habituation/ Gewöhnung:

Die Erfahrung, dass ein bestimmter Umweltreiz nichts Bedrohliches ankündigt, führt zu einer Gewöhnung, der Ha

bituation. Dazu muss dieser Reiz (Geräusche, Gerüche, neue Objekte…) wiederholt ohne störende Einwirkung erlebt werden und sollte weder sehr intensiv noch sehr auffallend sein. Er wird dann ignoriert und ruft keine Reaktion mehr hervor. Die Habituation an Umweltreize ist gerade bei Kitten sehr wichtig, denn die kleine Katze soll später auf diese Dinge gar nicht mehr reagieren.

Sensibilisierung:

Das wiederholte Erleben eines intensiven, stark auffallenden Reizes kann zur Sensibilisierung führen. Dabei steigt die allgemeine Erregung, und so wird wiederum die Reaktion auf den Reiz verstärkt. Sensibilisierung ist kein Lernen im eigentlichen Sinne und kann Lernen behindern. Bei Kitten reicht es auch, wenn die gesamte Situation dem Kitten Angst bereitet. Auch ein Reiz, der so gar nicht in die Geborgenheitsgarnitur passt, kann schnell zur Sensibilisierung führen. Aus der allgemeinen Erregung ist keine schnelle Entspannung möglich, deswegen steigt die Gefahr, dass auch die nächsten Reize als negativ beurteilt werden und in Zukunft selbst Angst auslösen.

Assoziatives Lernen

Klassische Konditionierung:

Mit klassischer Konditionierung bezeichnet man die Assoziation zweier Reize (Stimuli), die aus einer regelmäßigen zeitlichen Paarung dieser Reize resultiert. Beispiel: der Pawlowsche Hund.

Damit überhaupt eine Assoziation, also Lernen, stattfinden kann, müssen die folgenden Voraussetzungen zutreffen:

  1. Der Zeitabstand zwischen beiden Reizen darf maximal 3 Sekunden betragen (besser 1 Sekunde)
  2. Die Intensität beider Reize muss ausreichend stark sein, aber die Intensität des zweiten Reizes ist wichtiger. Je intensiver beide Reize sind, desto schneller erfolgt die Assoziation.
  3. Eine ausreichend häufige Paarung beider Reize muss stattfinden.
  4. Der erste Reiz muss den zweiten Reiz zuverlässig ankündigen.

Klassisch konditionierte Assoziationen sind nicht kontextspezifisch und können leicht generalisiert werden, d.h. auf ähnliche Stimuli übertragen werden.

Löschung:

Eine Löschung erfolgt, wenn der erste (konditionierte) Reiz immer wieder ohne den zweiten (ursprüngliche) Reiz erlebt wird.

Flooding:

Die Katze wird solange mit einem Reiz, der eine unerwünschte Reaktion auslöst, konfrontiert, bis diese Reaktion nicht mehr erfolgt. Ein Flucht- oder Meideverhalten wird unterbunden, z.B. wird neben einer Katze, die Angst vor Schüssen hat, so lange in die Luft geschossen, bis sie nicht mehr zusammenzuckt und fliehen möchte. Dadurch erfolgt einerseits eine gewisse Ermüdung und gleichzeitig die Wahrnehmung, dass Flucht als Lösung in dieser Situation nicht möglich/ erforderlich ist. Flooding darf erst beendet werden, wenn keine unerwünschte Reaktion mehr besteht. Flooding hat tierschutzrechtliche Relevanz und ist daher abzulehnen.

Instrumentelle Konditionierung:

Bei der instrumentellen Konditionierung erfolgt eine Assoziation zwischen Reiz (Stimulus), Reaktion auf diesen Reiz (Verhalten) und Konsequenz. Das Verhalten in der Zukunft orientiert sich daran, welche Erfahrung mit diesem Verhalten bisher gemacht wurde.

Beispiel:

Katze bettelt am Tisch --- sie bekommt etwas (Erfolg) ---- Folge: sie bettelt weiter

Katze bettelt am Tisch --- Se bekommt nichts (Misserfolg) ----Folge: sie gibt das Betteln auf

Verhalten wird durch seine Konsequenzen bestimmt!

Verhalten wird unausweichlich öfter auftreten und stärker werden, wenn

  • es Erfolg hat
  • es etwas Angenehmes zur Folge hat (Belohnung)
  • etwas Unangenehmes aufhört

Verhalten wird weniger häufig auftreten und schwächer werden, wenn

  • Es keinen Erfolg hat
  • Etwas Angenehmes entfernt wird
  • Etwas Unangenehmes zugefügt wird
  Hinzufügen (+) Entfernen (-)
Das Verhalten wird stärker Positive Verstärkung Etwas Angenehmes wird hinzugefügt, auf ein Verhalten erfolgt eine Belohnung Negative Verstärkung Etwas Unangenehmes wird entfernt, z.B. der Griff in den Nacken wird gelockert, wenn die Katze nicht mehr beißt
Das Verhalten wird schwächer/ nimmt ab Das Verhalten wird schwächer/ nimmt ab Positive Strafe Etwas Unangenehmes wird zugefügt, auf ein Verhalten folgt ein aversiver Reiz, z.B. Wasserstrahl Negative Strafe Etwas Angenehmes wird entfernt, z.B. das Futter verschwindet, wenn die Katze nicht aufhört zu miauen

Coping

Hierbei handelt es sich um Verhaltensstrategien, die in bestimmten Konfliktsituationen, wie z.B. Stress angewandt werden. Hieraus entstehen häufig Verhaltensstörungen. (Lecken, Pica = Fressen von ungenießbaren Substanzen)

AWB-2142148100