Domestikation

Von Bastet bis heute – Die Domestikation unserer Katzen

Freigänger auf Capri

Freigänger auf Capri

Unsere Hauskatze stammt von der nordafrikanischen Falbkatze ab und lebt wahrscheinlich schon seit ca. 10000 Jahren in lockerer Gemeinschaft mit dem Menschen. Die Domestikation (= Veränderungen der Charaktereigenschaften und des Erscheinungsbildes vom Wildtyp) hat vermutlich in Form einer Selbstdomestikation stattgefunden. Katzen fanden ihre Beute, nämlich kleine Nager, zahlreich in den Getreidespeichern menschlicher Siedlungen, wo sie sich dann ständig aufhielten. Die Menschen haben erkannt, dass Katzen für sie nützlich waren und haben sie durch Futtergaben zum „Bleiben ermutigt“. Katzen, die Menschen gegenüber aufgeschlossener waren und als sonst ausschließliche Nachtjäger auch manchmal am Tage unterwegs waren, sowie vor allem Kitten wurden von den Menschen relativ bald auch als Streicheltiere gesehen. In Ägypten wurden auf das Jahr 1600 v. Chr. datierte Katzenmumien entdeckt, die auf engeren Kontakt und besondere Beziehungen zu Menschen schließen lassen. Durch die Seefahrt verbreitete sich die Katze im Mittelmeerraum und gelangte über Griechenland und Italien nach Nordeuropa. Im Mittelalter wandelte sich der Status der Katze unter dem Einfluss der Kirche von der Heiligen zur Hexenbegleiterin. Heute wird sie wegen ihrer Flexibilität, Selbständigkeit und Sauberkeit als Hausgenossin wieder sehr geschätzt. Seit ca. 150 Jahren werden Katzen von Menschen gezielt gezüchtet, wobei einige Zuchtziele nicht immer mit dem Wohl des Tieres und dem Tierschutz konform sind, aber die meisten Katzen vermehren sich ohne Einflussnahme, so dass man streng wissenschaftlich noch nicht von einem vollständig domestizierten Tier sprechen kann.

Katzen sind lange Zeit als Einzelgänger angesehen worden. Tatsache ist, dass sie zwar einerseits Einzeljäger sind, sich aber durchaus soziale Gruppen bilden, wenn genug Nahrung vorhanden ist. Diese Gruppen bestehen gewöhnlich aus weiblichen Tieren derselben Familie, die sich bei der Aufzucht und Pflege der Kitten unterstützen. Manchmal gehört der Vater der Kitten auch zur Gruppe, wobei der wahrscheinlichste Grund der ist, dass er seinen Nachwuchs gegenüber anderen Katern verteidigt, da bei Katzen der Infantizid (Kindstötung) durchaus vorkommt.

Bei Katzen handelt es sich um sehr territoriale Tiere, wobei es Unterschiede in den Ansprüchen gibt. Einigen Katzen reicht die Wohnung/ das Haus ihrer Besitzer völlig aus, andere brauchen Freigang.

Zwar sind unsere Hauskatzen nicht mehr in dem Maße Einzelgänger wie ihre wilden Vorfahren, trotzdem sind sie nicht so sozial wie z.B. Hunde. Katzenzüchter plädieren immer mehr für die Haltung zu zweit oder in Gruppen. Gerade Katzen, die nur im Haus gehalten werden, profitieren von gleichartigen Sozialpartnern. Einige Besitzer meinen jedoch, dass Katzen unbedingt einen felinen Sozialpartner haben sollen und drängen ihrer Katze damit Nähe zu einer fremden Katze auf, was für diese mit massivem Stress einhergehen kann. Mehrkatzenhaltung sollte gut durchdacht und geplant werden (Geschwistertiere, Mutter und Nachwuchs, sorgfältige/ langsame Zusammenführung fremder Katzen). Das Leben der Hauskatze befindet sich gerade in einem ziemlichen Wandel. War es früher im Allgemeinen die Regel, dass Katzen Freilauf hatten und ihr Leben ziemlich unabhängig von ihren Menschen lebten, sind sie heut zumeist nur in der Wohnung und warten auf die Rückkehr ihrer Besitzer.

AWB-2142148100