Sinnesleistungen

Besondere Sinnesleistungen des Hundes

Alle Sinnesleistungen des Hundes dienen der Kommunikation untereinander und zwischen anderen Spezies, sowie der Optimierung des individuellen Lebensraums.

Geruchssinn

Während wir Menschen zum größten Teil sichtorientiert sind, sind Hunde „Nasenwesen“, die ihre Welt im Wesentlichen durch Gerüche erleben. Hunde haben ca. 250 Millionen Riechzellen, Menschen dagegen nur etwa 10-30 Millionen. Hinzu kommt beim Hund noch das Vomeronasale Organ oder Jacobsonsche Organ, welches im Gaumendach sitzt und vor allem sensibel auf innerartliche Pheromone, also hormonelle Botenstoffe zur Informationsübertragung zwischen Individuen einer Art, reagiert. Ein Hund ist in der Lage, extrem geringe Konzentrationen eines Geruchs wahrzunehmen und kann außerdem zwischen Gerüchen verschiedener Individuen oder Substanzen unterscheiden. Diese Fähigkeit wird bei gut ausgebildeten Spürhunden in der Rettungs- und Drogenfahndungsarbeit sehr effektiv genutzt und auch bei Assistenzhunden für Diabetiker oder Epileptiker hat der Geruchssinn eine große Bedeutung. Die biologischen Funktionen des guten Geruchssinns dienen in der Ernährung dem Auffinden und der Qualitätsüberprüfung von Beute und Wasser, in der Fortpflanzung dem Erkennen von Sexual- und Sozialpartnern oder Gruppenfremden, der Orientierung im Gelände und dem Erkennen von Reviergrenzen.

Gehör

Der Frequenzbereich von Hunden liegt zwischen 15 und 50.000 Hz, der von Menschen zwischen 20 und 20.000 Hz. Zu diesem weiten Frequenzbereich gehört dann noch die Fähigkeit, durch die Beweglichkeit der Ohrmuscheln Geräusche gezielter zu orten.

Wahrnehmung und Verständnis

Hunde können Geräusche sehr gut differenzieren und so beispielsweise die Schritte oder das Auto „ihrer“ Menschen gut von anderen unterscheiden.

Das Wortverständnis ist ebenfalls vorhanden, aber bei verschiedenen Rassen unterschiedlich ausgeprägt. Die in der Hundeausbildung gebrauchten Wortsignale werden meist von für den Hund körpersprachlich gut verstandenen Gesten begleitet, so dass hier das Wortverständnis nicht immer vorausgesetzt werden und auch die Ursache für den vermeintlichen „Ungehorsam“ eines Hundes sein kann. Dennoch ist davon auszugehen, dass Hunde einige Vokabeln erlernen. Hauptsächlich ist es aber so, dass Hunde unsere Stimmungen an der Sprachmelodie und Sprachfärbung erkennen und sich darauf einstellen. Ist die Sprachmodulation beispielsweise sehr freundlich, die Körpersprache allerdings eher abweisend, zeigen Hunde starke Unsicherheiten, da sie die digitale, verbale, Aussage nicht mit der analogen, körpersprachlichen, Aussage verknüpfen können.

Sehvermögen

Die Bedeutung des Sehvermögens ist rasseabhängig. Hunde haben durch den seitlichen Sitz der Augen ein größeres Gesichtsfeld als Menschen, wobei kurznasige Rassen, wie Möpse, eher nach vorne sehen, langnasige Rassen, wie Windhunde, auch ein gutes seitliches Sehvermögen besitzen und daher vor allem Sichtjäger sind, während andere Rassen sich mehr auf das Fährtenlesen spezialisiert haben. Hunde sind hauptsächlich Bewegungsseher, die selbst kleinste Bewegungen aus großer Entfernung wahrnehmen. Die Sehschärfe entspricht in etwa der des Menschen, wobei die Fähigkeit, Muster und Struktur zu differenzieren, deutlich geringer ist. Die Farbwahrnehmung ist bei Hunden eher schwach, es liegt eine stark eingeschränkte Rot-Grün-Wahrnehmung vor. Auf der Kommunikationsebene spielen das Erkennen feiner Nuancen in der Mimik oder Gestik und direkte Blickkontakte eine große Rolle.

Vokalisation

Hunde und noch ausgeprägter Wölfe verfügen über ein ausgesprochen umfangreiches Lautrepertoire, welches sich im Rahmen der Rassenentwicklung reduziert und angepasst hat. Spitze und Terrier bellen sehr schnell und intensiv, nordische Hunderassen zeigen wie Wölfe ein ausgeprägtes Chorheulen, sind aber, wie auch die Windhunde, weniger bellfreudig. Bei Jagdhunden kann man an ihren Lauten den Jagdverlauf erkennen. Freuden-, Angst- und Schmerzlaute, sowie Drohlaute äußern alle Hund sehr differenziert. Die eigentliche Entwicklung der verschiedenen Belllaute bei Hunden ist vermutlich ein Domestikationsprozess durch das Zusammenleben mit dem Menschen. Außerdem kennen wir noch das Winseln, Fiepen und Jaulen in unterschiedlichen Situationszusammenhängen.

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