Körpersprache

Kommunikation und Körpersprache

Da wir Menschen sehr eng mit unseren Hunden zusammenleben und auch Nichthundehalter doch täglich mit Hunden in ihrem Umfeld konfrontiert werden, ist ein Verständnis für die Kommunikation zwischen Hunden sehr wichtig. Dazu kommt dann noch die Mensch-Hund Kommunikation, in der auch oft Missverständnisse auftreten. Die gesamte Körperhaltung ist ein Spiegel der emotionalen Situation des Hundes und wird intensiv als Kommunikationsmittel zwischen Hund und zwischen anderen Arten eingesetzt. Um als Mensch ein harmonisches Zusammenleben mit seinem Hund zu haben, ist das Verständnis seiner Körpersprache sehr wichtig und auch im tierärztlichen Praxisalltag sind fundierte Kenntnisse der Hundesignale für einen stressfreien Umgang essentiell. Der Blick, die Mimik, die Kopf- und Ohrenhaltung, die Körperhaltung, die Schwanzposition zeigen den Zustand eines Hundes an und können sehr schnell den Stimmungsveränderungen angepasst werden. Die unterschiedlichen Rassen haben dazu geführt, dass die Körpersprache innerhalb einer sich nicht vertrauten Hundegruppe manchmal falsch interpretiert wird, wenn Hunde nicht schon als Welpen mit verschiedenen Rassevertretern konfrontiert werden. Schlappohren, Steh- oder Ringelruten, faltige oder sehr lang behaarte Gesichter und Körper, steile Beinstellungen können häufig Missverständnisse untereinander hervorrufen.

Unterschiedliche Phänotypen von Hunden

Für Menschen ist es sehr sinnvoll, immer seinen eigenen Hund und auch andere Hunde auf Spaziergängen zu beobachten, um deren Körpersprache besser interpretieren zu können. Die Interpretation der Körpersprache erfordert allerdings sehr viel Übung und auch die Erfahrung, die gezeigten Körpersignale dem richtigen Verhalten zuordnen zu können, denn letztendlich stellen sie immer auch nur eine Momentaufnahme dar

  • Ohrenhaltung: Sie wird stark vom Typ und der Rasse beeinflusst. Die Ohrenhaltung kann sehr schnell wechseln und auch widersprüchliche Emotionen ausdrücken.

    • Aufmerksame, neutrale Ohrenstellung: Die Ohren sind in der „persönlichen“ Haltung aufgerichtet und nach vorn gestellt.
    • Gespannt, konzentriert, Fixieren von Beute: Die Ohren sind sehr weit nach vorn gedreht, angespannt, leicht vibrierend
    • Unsicher, aufmerksam: Die Ohren sind aufrecht, wechseln die Richtung, oft nach hinten gedreht
    • Unsicher, ängstlich: Die Ohren sind nach hinten geklappt und liegen am Kopf an
    • Unsicher aggressiv: Die Ohren stehen seitlich nach hinten gezogen
    • Offensiv aggressiv: Die Ohren sind starr nach vorne gerichtet

  • Blick und Pupillengröße: Die Blickrichtung hat eine große Aussagekraft und die Pupillengröße wird selbst von den Besitzern in manchen Situationen gut erkannt, denn bei weitgestellten Pupillen leuchtet das Tapetum lucidum stark auf und ist gut erkennbar. In Angstsituationen sind die Pupillen maximal weitgestellt.

    • Erwartungsvoller Blickkontakt: direkter, „weicher“ Blick in die Augen
    • Drohung: direkter starrer fixierender Blick in die Augen
    • Ängstlicher Blickkontakt: seitlich abgewendeter Blick bei abgewendetem Kopf, Augen sind halbgeschlossen, blinzelnd
    • Dominanter Blickkontakt: seitlich am Kopf vorbeigehender Blick über den Rücken oder auf die Kruppe

  • Gesichtsmimik: Hier gibt es rassebedingte starke Unterschiede, die abhängig sind von der Anatomie des jeweiligen Hundes. Beobachtet werden können die Spannung und Stellung der Augenlider und der Augenbrauen, und die Spannung der Gesichtshaut.

    • Lächeln oder lachen: Hochziehen der Lefzen, vor allem im Incisivusbereich bei entspanntem Gesichtsausdruck
    • Drohung: Zittern und Hochziehen der Lefzen, leichtes Naserunzeln, Zähne zeigen
    • Defensive Drohung: Hochziehen der Lefzen, Zeigen vieler Zähne, Mundwinkel sind spitz und nach hinten gezogen
    • Offensive Drohung: Hochziehen der Lefzen, deutlich gerunzelte Nase, kurze stumpfe Mundwinkel
    • Unsicherheit: Lefzen weit nach hinten gezogen mit Spannungsfalten bis zu den Ohren, häufig kombiniert mit Hecheln.

  • Kopfhaltung:

    • Angst, Unsicherheit: eingezogen, weggedreht, Tiefhaltung
    • Offensiv aggressiv: aufrechter Hals und nach vorne gestreckt
    • Beschwichtigung: seitlich weggedreht, schräg nach oben gerichtet

  • Körperhaltung:

    • Ängstlich, unsicher: Der Hund verkleinert sich, kauert sich zusammen
    • Selbstbewusst, offensiv-aggressiv: Der Hund vergrößert sich, streckt sich, die Haltung ist sehr aufrecht, Gewichtsverlagerung nach vorne
    • Defensiv abwehrend: Die Haltung kann vorne hoch und hinten tief sein oder insgesamt tief, Gewichtsverlagerung eher nach hinten
    • Erkundungshaltung: niedrige Haltung mit weit vorgestrecktem Kopf und eingeknickten Beinen, jederzeit zum Rückzug bereit
    • Spielaufforderung: Vorderkörpertiefstellung
    • Beschwichtigung: niedrige Haltung, manchmal kriechend, seitlich gedreht
    • Submission: seitlich oder auf dem Rücken liegend, Bauch frei präsentiert, bewegungslos- eine Haltung, aus der man seinen Hund auf keinen Fall rufen sollte, da es dann zu aggressiven Verhaltensweisen des anderen Hundes kommen kann!

  • Rutenstellung: Sie ist ebenfalls sehr abhängig von der Rasse oder den anatomischen Gegebenheiten und kann auch dadurch schon zu Missverständnissen zwischen den Rassen führen.

    • Neutral: Rasseentsprechende entspannte Haltung
    • Selbstbewusst, imponierend, aggressiv: Sehr hohe Rutenhaltung, bis über die Rückenlinie hinweg
    • Angespannte Erregung, imponierend, aggressiv: hohe Rutenhaltung bei langsamem, stakkatoartigem Wedeln. Dies ist häufig bei Terriern zu beobachten, die dann aber nur ihre Neutralstellung und eine eher positive Erwartungsspannung ausdrücken;-)
    • Beschwichtigung: Wedeln mit niedriger, meist eingezogener Rute
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