Entwicklung

Die Entwicklung vom Wolf zum Haushund

Der genetische Code von Hunden und Wölfen ist zu 99,96% identisch. 1997 wurde mittels DNA-Analyse festgestellt, dass der Hund nahezu ausschließlich vom mittlerweile ausgestorbenen eurasischen Grauwolf abstammt und keiner der in den letzten 70 Jahren in Freilandstudien beobachteten Wölfe, wie z.B. der amerikanische Timberwolf, als Vorfahre des Haushundes betrachtet werden kann. Demnach gibt es keinen heute lebenden Wolf, der als das Modell für das Verständnis des Hundes und seines Verhaltens herangezogen werden kann. Hunde sind beispielsweise zwar sehr soziale Tiere, aber nicht unbedingt Rudeltiere, im Gegensatz zu Wölfen. Hunde schließen sich auch einfach nur zu Gruppen zusammen oder leben zeitweilig allein, wie Feldstudien in Spanien und Italien bei wildlebenden Hundegruppen zeigen. Wolfsrudel sind Familienverbände, bestehend aus einem Wolfspaar und seinen Nachkommen, Hundegruppen sind nicht unbedingt miteinander verwandt und die erwachsenen Tiere verhalten sich relativ promiskuitiv. Im Vergleich zu Wölfen sind Hunde aber wesentlich besser dazu fähig, Beziehungen zu Menschen einzugehen und sogar die Beziehung zu einem Menschen über eine Hundebeziehung zu stellen. Diese flexible Gestaltung von Sozialgemeinschaften, das Jagdtalent, die gute Nase und einiges mehr kann man auch schon durchaus als Charakteristika einer viel älteren Abstammungslinie, den Caniden, betrachten, aus der Wolf, Schakal, Kojote und schließlich auch der Hund hervorgegangen sind. Von all diesen Caniden hat sich letztendlich das Domestikationsmodell des Hundes erfolgreich bis heute durchgesetzt. Domestikation beschreibt einen innerartlichen Veränderungsprozess von Wildtieren oder -pflanzen, bei dem diese durch den Menschen über Generationen hinweg von der Wildform genetisch isoliert werden. Dadurch wird ein Zusammenleben mit dem Menschen oder eine Nutzung durch diesen ermöglicht.

Nicht zu verwechseln ist die Domestikation mit der Zähmung. Während es bei der Domestikation zu einer genetischen Veränderung kommt, welche an die Nachkommen weitergegeben wird, ist die Zähmung eine individuelle Anpassung, die auf die Nachkommen keinen Einfluss hat. Doch wann hat diese Domestikation begonnen? Erste Knochenspuren von Hunden wurden von Archäologen auf ein Alter von ca. 15.000 Jahren datiert. Die DNA- Sequenzierung von lebenden Wölfen und Hunden im Jahre 1997 löste dann aber die Behauptung unter den Wissenschaftlern aus, dass die Domestikation des Hundes bereits 100.000 Jahre früher begonnen hat. Bei weiteren Vergleichsuntersuchungen und Überprüfungen kommt man aber im Moment zu dem Schluss, dass die Mutationsrate während der Domestikation, bedingt vielleicht durch den ständig erhöhten Stresslevel durch das Leben in beengten Verhältnissen in unmittelbarer Nähe zum Menschen, im Vergleich zum Wildleben vielfach höher war und die Domestikation gleichzeitig von unterschiedlichen Orten der Welt ausgegangen ist. Daraus resultiert die momentane Vermutung, dass die Domestikation vor ca. 15.000 bis 25.000 Jahren begann. Da die Menschen zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrung in der Domestikation hatten, ging dieser Prozess vermutlich von den Wölfen selbst aus. Die Tiere, die die Nähe menschlicher Siedlungen ertragen konnte, profitierten von den Abfällen dieser Siedler. Doch diese Mengen allein können nicht ausreichend gewesen sein, so dass vermutlich auch die Menschen bewusst durch Anfüttern die Annäherung der Wölfe motiviert haben. Hinzu kam sicher auch noch die besondere, genetisch verankerte, Fähigkeit dieser Tiere, soziale Bindungen außerhalb ihrer Art einzugehen. Gleichzeitig zu der damit einhergehenden Zahmheit kam es auch zum Phänomen der Neotenisierung. Hierbei stagniert das Wachstum vereinzelter Körperteile, während andere sich normal weiterentwickeln. Durch diesen Prozess lassen sich die vielfältigen Größen und Formen von Hunden erklären. Parallel zu der selektiven Entwicklungshemmung des Wachstums wurde auch die Verhaltensentwicklung gebremst, so dass Hunde sich zeitlebens in der jugendlichen Verhaltensphase von Wölfen befinden. In diesem Stadium ist Verhalten generell flexibler und kann sich noch besser an die Bedürfnisse im Zusammenleben mit den Menschen anpassen. Während dieser Zeit kommt es noch zu der Entwicklung eines weiteren wichtigen Unterschiedes zwischen Wolf und Hund: Hunde werden früher geschlechtsreif und haben das ganze Jahr über sexuell aktive Phasen, während Wölfe nur im Winter sexuell aktiv sind. Außerdem sind Hunde nicht so wählerisch in der Auswahl ihrer Sexualpartner wie Wölfe, denn während Wölfe in Paarbindungen leben, zeigen Rüden eine starke Promiskuität. Vor ca. 5000 Jahren wurde dann bewusst von Menschen begonnen, Hunde zu züchten.

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