Dominanz und Rangordnung

Dominanz, Rangordnung, Rudel

Die Interpretation dieser Begriffe und ihre Anwendung im Hundetraining hat in den letzten Jahren einen großen Verständniswandel erfahren. Grundlage waren ursprünglich Beobachtungen in Wolfsgehegen mit durch Menschen zusammengestellten Wolfsgruppen auf begrenztem Raum, deren Verhalten dann auch direkt auf unsere Hunde übertragen wurden.

Heute ist bekannt, dass freilebende Wolfsfamilien sich völlig anders verhalten, als bis dahin beobachtet wurde und es ist auch bekannt, dass Hunde andere Sozialstrukturen haben als Wölfe und entsprechend auch andere Verhaltensweisen zeigen, die nicht mit dem der Wölfe verglichen werden können. Es ist in der älteren Literatur auch immer von einer Rangordnung die Rede, bei der die sogenannten Alphatiere die „Macht“ über alle Ressourcen haben. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass so eine strikte lineare Rangordnung nicht vorliegt.

Wölfe bilden Rudel, die nur aus den Nachkommen eines Wolfspaares bestehen. Die Rudelmitglieder sind füreinander da, unterstützen auch Junge, Kranke und Alte und sorgen gemeinsam für Jagderfolge. Untereinander herrscht kaum Aggression, sondern lediglich eine konsequente Grenzsetzung im Umgang mit den Jungtieren, gegenüber anderen Rudeln tritt sie aber schon auf. Hunde leben allein oder bilden Gruppen aus nichtverwandten Tieren. Sie vermehren sich so auch untereinander. Bei Wölfen und Hunden kann es zu der Ausbildung von Ranggefügen kommen, die bestimmte Ressourcen betreffen. Sicher können auch Dominanzverhältnisse beobachtet werden, wobei kein Tier generell immer dominant über alle anderen ist. Dominanz stellt immer nur die Interaktion zweier Individuen im Zusammenhang mit einer bestimmten Ressource untereinander dar und setzt die Akzeptanz des Submissiven gegenüber dem Dominanten voraus. Sie ist keine angeborene, sondern eine erworbene Eigenschaft.

In der Mensch-Hund Beziehung kann daher keine Rede von einem Rudel und einer Rangordnung sein, wobei Dominanzverhältnisse in unterschiedlichen Situationen sowohl vom Menschen über seinen Hund, als auch umgekehrt beobachtet werden können Ein Hund strebt aber nicht per se in diesen Beziehungen eine Führungsposition an oder versucht sie, dem Menschen streitig zu machen, um die „Weltherrschaft“ zu erringen. Früher als sogenannte ranganmaßende Gesten bezeichnete Verhaltensweisen, wie das Auflegen des Kopfes auf das menschliche Knie oder die Ruheposition auf dem Sofa können daher heute durchaus entspannt betrachtet und hingenommen werden. Das Verhältnis zum Hund kann eher als Eltern-Kind-Beziehung gesehen werden, in der dem Hund einfach bestimmte Grenzen gesetzt werden, die der Mensch so für sich definiert. Diese Grenzen sollten konsequent und liebevoll durchgesetzt werden, was normalerweise auch problemlos ablaufen kann, wenn sich alle Menschen, die mit dem Hund zusammenleben, einig sind. Souveränität gegenüber dem Hund zeigt sich durch Konsequenz und Ruhe im Umgang miteinander. Das Liegen auf dem Sofa empfindet eben auch ein Hund als angenehm, er sollte aber auf Signal auch einfach weggeschickt werden können. Den Kopf auf das Knie zu legen, ist einfach eine soziale Geste und fordert zum Streicheln auf, dem man Folge leisten kann oder eben nicht. Ein solch entspannter Umgang mit dem Hund ist im Alltag wesentlich angenehmer.

AWB-2142148100