Die Toolbox

Die Toolbox der Verhaltenstherapeuten

Der Baukasten eines Verhaltenstherapeuten sollte sehr breit aufgestellt sein und sich immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft befinden. Dies erfordert regelmäßige Fortbildungen, regelmäßige Reflexionen seiner Arbeit und gegebenenfalls auch Umstellungen der bisherigen Maßnahmen.

  • Gezielter Umgang mit dem Tierbesitzer
    • Compliance für die Situation des Tierbesitzers und seine psychologischen Besonderheiten
    • Verständliche Erläuterungen von Diagnose und Therapie, immer zusätzlich mit gut verständlichen schriftlichen Informationen
    • Erläuterungen zu Familienstruktur, Persönlichkeit, Kommunikation, Emotionen, Lernverhalten und Motivation von Hunden
  • Managementmaßnahmen und Training
    • Erläuterung von Hilfsmitteln und deren Umgang, wie Hausleine, Maulkorb, Halti, Schleppleinen, Lernspielzeugen, Clicker, Box
    • Erläuterung und praktische Übung verschiedener Trainingsansätze, wie beispielsweise:
    • Gezielte Desensibilisierung und Gegenkonditionierung
      Schrittweise werden vor allem Ängste und Aggressionsverhalten so abgebaut. Beim Auftreten des Auslösers wird eine positive Veränderung der Grundemotion des Hundes angestrebt, so dass er entspannter mit dem Auslöser umgehen kann und eventuell auch ein Alternativverhalten erlernt. Die Reize werden nur in sehr abgeschwächter Form präsentiert und nur ganz langsam gesteigert.
    • Konditionierung
    • Klassische Konditionierung = Ein neutraler Reiz (z.B. Clicker) wird mit einem anderen Reiz (Leckerchen) innerhalb von max. 2 Sekunden häufig verknüpft.
      Gerade diese Form der Konditionierung spielt bei Ängsten und auch Aggression eine große Rolle, weil sie unwissentlich mit einfließt. Ein Hund erschreckt sich beispielsweise durch einen Knall und sieht vor sich gleichzeitig ein Kind. Er verknüpft diese beiden Punkte und zeigt künftig Angst- oder Aggressionsverhalten beim Auftauchen von Kindern. Genauso kann man sich die klassische Konditionierung auch in der Therapie zunutze machen. Ein Hund mit aggressiven Tendenzen gegenüber Artgenossen bekommt beim Auftauchen anderer Hunde immer eine Belohnung, bis diese verschwinden. Die Grundemotion des Hundes wird so ins Positive verändert und die Aggression kann besser bearbeitet werden.
    • Operante Konditionierung = Lernen durch Versuch und Irrtum. Der Hund bietet Verhaltensweisen an, die durch positive oder negative Verstärker beeinflusst werden.
    • Positive Verstärker= Futter, Zuwendung, soziale Nähe, Spiel etc
    • Negative Verstärker= Futterentzug, Ignorieren, Schmerzreize, Beendigung angenehmer Situationen etc.
      Der Hund muss motiviert sein, zu lernen und das Gelernte anzuwenden.
      Verhaltensweisen, die belohnt werden, werden häufiger und zuverlässiger gezeigt. Das Ziel einer guten Verhaltenstherapie sollte sein, ausschließlich positiv motivierend zu arbeiten und Fehler zu vermeiden. Verhaltensweisen, bei denen für den Hund angenehme Dinge entzogen werden, werden allmählich abgebaut.
    • Aufbau von Alternativverhalten ist sinnvoll, um unerwünschtes Verhalten gar nicht erst möglich zu machen, z.B. kann ein Hund mit einem Bringsel im Maul nicht bellen oder beißen oder ein Hund, der seinen Besitzer anschaut, fixiert nicht einen anderen Menschen oder Artgenossen

o   Managementmaßnahmen, mit deren Hilfe das unerwünschte Verhalten des Hundes zunächst besser kontrolliert werden kann. Hierzu gehören z.B. das Maulkorbtraining oder die Hausleine oder die Gewöhnung an eine Box.

o   Gewöhnung ist ein Baustein auch in der Angsttherapie, indem Reize in ganz schwacher Form kontrolliert eingesetzt werden und bei zunehmender Akzeptanz des Hundes immer wieder leicht verstärkt werden, bis der Reiz vom Hund angst- und stressfrei akzeptiert wird.

o   Medikamentelle Therapie

In manchen Situationen befindet sich ein Hund schon so unter Stress, dass eine Trainingssituation gar nicht erst aufzubauen ist. Hierbei bewähren sich z. B. Psychopharmaka, die an unterschiedlichen Arealen des Gehirns, hier vor allem im Bereich des limbischen Systems, auf die unterschiedlichen Neurotransmitter einwirken. Ziel ist eine Entspannung und Gelassenheit des Hundes, um einen Lernprozess anregen zu können. Pheromone, meist in Form von Zerstäubern oder als Halsbänder, können im Wohnbereich und auch unterwegs zur Entspannung verhelfen. Auch homöopathische oder pflanzliche Zubereitungen und Bachblüten können sehr hilfreich sein.

Bei Störungen im Hormonhaushalt, wie z.B. der Schilddrüse, werden Hormonsubstitutionen oder Hormonsuppression eingesetzt. Die früher so häufig als „Allheilmittel“ angewandte Kastration sollte nur unter genauer Beurteilung des Gesamtzustandes des Hundes und seines Verhaltens durchgeführt werden. Alle medikamentellen Anwendungen sollten immer von einem verhaltenstherapeutischen Training begleitet werden und zeitlich begrenzt sein.

AWB-2142148100