Die Bedeutung der TFA

Die Bedeutung der tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) in der Haustierarzt-praxis für die Tierverhaltenstherapie

Anders als noch vor wenigen Jahren, in denen Verhaltensprobleme bei Routinemaßnahmen in der Haustierarztpraxis quasi bei der Verabschiedung im Türrahmen geäußert und auch entsprechend nebensächlich bearbeitet und auch honoriert wurden, hat die Verhaltenstherapie heute einen ganz anderen Stellenwert in der Tiermedizin. Haustierärzten fehlt meist sowohl die Zeit, als auch die fachliche Voraussetzung zur therapeutischen Begleitung eines Verhaltensproblems. Daher ist mittlerweile die rechtzeitige Überweisung zu Fachtierärzten mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie der übliche Weg. Oft sind aber die TFA die ersten Ansprechpartner der Tierbesitzer bei deren Unsicherheiten oder auch die ersten Beobachter, die die Tierbesitzer auf eventuelle Probleme hinweisen können. Bereits im Aufnahmegespräch oder bei der Beobachtung der Tiere im Erstkontakt können sich schon verhaltenstherapeutische Fragestellungen ergeben, die dann weiterverfolgt werden können. Dazu benötigen die TFA ein fundiertes Wissen über die Körpersprache und das Normalverhalten ihrer Patienten.

TFA sollten im Umgang mit den Patienten immer große Aufmerksamkeit und Sorgfalt zeigen und jeden Patienten individuell behandeln. Gewalt, Druck oder Zwang auch bei widersetzlichen Patienten sind absolut kontraproduktiv. Der Aufenthalt in einer Tierarztpraxis ist für die meisten Tiere eine stressbeladene Ausnahmesituation und auch die Tierbesitzer sind oft nervös und unsicher. Dem muss in den Gesprächen und im Umgang Rechnung getragen werden. Ängstliche und unsichere Tiere, wie häufig im Tierschutz zu finden, sollten immer Termine erhalten, um Wartezeiten und einen Aufenthalt im Wartebereich zu vermeiden. Sie sollen Zeit bekommen, um sich an den Untersuchungsraum und die nachfolgenden Untersuchungen zu gewöhnen. Der Untersuchungstisch und die notwendigen Hilfsmittel sollten für den Patienten angenehm vorbereitet werden. Laute Stimmen und hektische Bewegungen sollten unterbleiben.

Optimal ist das Angebot eines Medical Trainings in einer Haustierarztpraxis, um den normalen Abläufen, wie Allgemeinuntersuchungen, Blutentnahmen, Röntgen, Wundversorgung, Impfungen schon von Anfang an den Stressfaktor zu nehmen. Durch eine frühzeitige kompetente Gewöhnung bereits der Welpen an die normalen Abläufe einer Praxis ist das Verletzungsrisiko aller Mitarbeiter der Praxis wesentlich reduziert und es kann oft auf Sedierungen der Patienten verzichtet werden. So können auch viel besser Schmerzlokalisationen ermittelt werden und bessere Diagnosen im Bereich des Herz- Kreislaufsystems gestellt werden, da Stress- und Abwehrreaktionen der Patienten vermieden werden. Die Patientenbesitzer können ihre Hunde spielerisch zu Hause auf die Praxismanipulationen vorbereiten und auch dies kann durch die TFA angeleitet werden. Geübt werden sollten:

  • Wartezimmersituation
  • Hochheben und Festhalten eines Hundes
  • Ruhiges Stehen auf dem Behandlungstisch
  • Freiwilliges Maulöffnen
  • Das Abtasten des gesamten Körpers
  • Gewöhnung an Othoskop, Stethoskop und weiteren Untersuchungsgeräten
  • Akzeptanz von Seiten- oder Rückenlage zum Röntgen
  • Akzeptanz von Injektionen und venöser Blutentnahme
  • Zeckenentfernung
  • Stressfreies Tragen von Maulkorb oder Halskragen
  • Anale Temperaturmessung
  • Untersuchung von Pfoten und Ohren etc.
  • Medikamentengabe

All diese und evtl. weitere Manipulationen können dem Tierbesitzer bereits in Form von kleinschrittigen Übungen als Hausaufgabe vermittelt werden und in Übungsterminen, organisiert und geleitet von den TFA, in der Praxis generalisiert werden.

Diese Maßnahmen spielen eine bedeutende Rolle in der weiteren Verhaltensentwicklung junger Hunde, haben aber auch einen wesentlichen Anteil bei der stressfreien Gewöhnung von älteren Hunden oder Tieren aus dem Tierschutz an ihre neue Umgebung.

Blutentnahmetraining

Körperberührungen

Trainierte Seitenlage

Die bis vor einiger Zeit noch propagierten „Puppyparties“ im Wartezimmer betrachte ich heute eher kritisch. Welpensozialisation und-habituation ist eine sehr anspruchsvolle, weil nachhaltige, Aufgabe, die von Anfang an in die Hände von sachkompetenten Trainern gehört. Die TFA und auch die Haustierarztpraxen haben die große Verantwortung, die Behandlung von Tieren so schonend wie möglich durchzuführen, prophylaktisch und präventiv Verhaltensprobleme zu vermeiden und zu erkennen und bei Erziehungsschwierigkeiten oder auch weiterführenden Verhaltensproblemen den Hundebesitzern beratend zur Seite zu stehen.

AWB-2142148100