Kälberresilienz: Stefan Lüllmann erläutert die Bedeutung von Labordiagnostik

15 Feb 2019
Stefan Lüllmann, praktischer Tierarzt, Löningen Kälber Resilienz – die Bedeutung von Diagnostik, Gesundheitsplänen und gesetzlichen Vorgaben

Aus der Sicht des bestandsbetreuenden Tierarztes von Kälberhaltungen ergeben sich einige elementare Aspekte, die wesentlich dazu beitragen, mit resilienten Kälbern nachhaltig produzieren zu können. In den ersten Lebenswochen bedrohen in erster Rota- und Corona Viren, pathogene E.-coli-Stämme sowie Kryptosporidien und gegebenenfalls auch Kokkzidien die Gesundheit und das Wohlergehen der Kälber. So drohen Kälberverluste in den ersten drei bis vier Lebenswochen vorwiegend durch Durchfallerkrankungen, Verluste in der späteren Aufzucht in erster Linie durch Atemwegserkrankungen. Umfangreiche diagnostische Befunderhebungen zu viralen, bakteriellen und auch parasitologischen Infektionserregern sind zwingend erforderlich um zielgerichtet vorbeugende und auch therapeutische Maßnahmen einleiten zu können.

Diese betriebsspezifischen Gegebenheiten erfordern betriebsindividuelle, alltagstaugliche Maßnahmenkataloge, die Tierhalter und Tierarzt gemeinsam erarbeiten. Abläufe und Prozesse sind in Gesundheitsplänen zu standardisieren und einzuhalten. Die Tierhalter müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie selbst für das Wohlergehen der Kälber in ihrer Obhut verantwortlich sind und dass sie nur mit der Einhaltung der vereinbarten Maßnahmen dieser Verantwortung gerecht werden können.

Besonderes Augenmerk verdient das Management der Kälberhaltungen: Neben der Vermeidung von Stressfaktoren jeglicher Art, die häufig als Wegbereiter sekundärer Erkrankungen fungieren, spielt im Management moderner Kälberhaltungen die Betriebshygiene, hier allem voran und da wo auch immer anwendbar Rein-Raus-Verfahren, eine wichtige Rolle. Weitere wichtige Aspekte sind die bedarfsgerechte Fütterung inklusive optimaler Trinkwasserversorgung und -qualität, sowie alters- und artgerechte Haltungsformen, die den Bedürfnissen der Kälber gerecht werden.

Zahlreiche gesetzliche Vorgaben wie beispielsweise das Tierschutzgesetz, die Tierschutznutztierhaltungsverordnung, das Arzneimittelgesetz, die Tierärztliche Hausapothekenverordnung oder QS bilden das Rahmenwerk für die Kälberhaltung. Die Einhaltung dieser Vorgaben und die Dokumentation der durchgeführten Maßnahmen dienen der Gesundheit der Kälber, sind tierschutzrelevant und sichern ein hohes Maß an Verbraucherschutz.

Die Summe dieser Maßnahmen trägt dazu bei, die Resilienz der Kälber zu steigern, in dem die Gesundheit und das Wohlergehen der Kälber gefördert werden und die Produktivität und Profitabilität der Kälberhaltung und die emotionale Bindung zwischen Kalb und Mensch gesteigert wird. Letzteres ist ein wesentlicher Punkt, äußert er sich doch auch im gesteigerten Wohlbefinden der Kälberhalter/innen.

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